Langenbach bei Hochwasser

Von fez, 18. November 2007 21:51

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So, Bernhard und ich waren endlich auf der Schönmünz. So dachte ich mir – aber als ich die Wanderkarte genauer angeschaut habe sah ich dass es sich ja eigentlich um den Langenbach gehandelt hat!
Der Langenbach ist einer der beiden Quellbäche der Schönmünz. Und die Schönmünz ist ein Zufluß der Oberen Murg. Schönmünz und Langenbach treffen sich beim Ort Zwickgabel und bilden ab dort die Schönmünz. Der Langenbach verläuft durch eine Waldschlucht bis zum Ort Zwickgabel.
Wir hatten ein absolut sagenhaftes Sauwetter, strömender Regen bis Schneeregen, 4° C, Wind – und jede Menge Wasser, von oben, von unten und von der Seite wie es so schön heisst in Forrest Gump. Und das heisst natürlich Hochwasser.

Auf der Hinfahrt haben wir uns interessehalber noch die Untere & die Mittlere Murg angeschaut. Oberheftig. Der Holtzmannkatarakt war praktisch verschwunden, dafür war die Einstiegstufe mitsamt dem großen Fels dahinter zum pulsierenden Mörderloch mutiert.

Hölle!

Auf der Anfahrt zur Schönmünz durchs Murgtal kommt man auch an der Mündung des Hundsbachs in die Murg vorbei und kann sich die letzten Meter dieses faszinierenden Bachs anschauen. Soweit um den Hundsbach fahren zu können werde ich in diesem Leben bestimmt nicht mehr kommen – mit glatt V ist er der schwerste Bach des Nordschwarzwaldes. Was man von der Straße aus sieht ist schon echt stark, die eigentlichen Kernstellen sind aber von hier nicht sichtbar.

Raumünzach / Hundsbach

Wir fuhren weiter entlang der mittleren Murg nach oben am Stauwehr bei Kirschbaumvasen vorbei, der Überlauf über die Staumauer war gewaltig.

Stau Kirschbaumwasen

Weiter ging es bis zur Ausstiegsstelle der Oberen Murg. Die letzten Meter der Oberen Murg kann man hier noch mitnehmen wenn man die Schönmünz paddelt. Sie sind normalerweise als kurzer hübscher Blockslalom im III Grad bekannt, um ca. 12.30 Uhr präsentierte sich die Murg hier optisch zwar als ziemlich voll aber wir nahmen an als einigermassen fair zu fahren, zumindest sahen wir noch fahrbare Linien an den Walzen vorbei. Hier trafen wir einige Paddler welche die Schönmünz gepaddelt waren. Einer von ihnen fuhr mit uns zum Einstieg um sein Auto zu holen.

Da standen wir nun im strömenden Regen. Kalt war uns schon jetzt… Den Foto ließ ich heute im Auto denn dass ich heute nicht alle 2 m aus dem Boot hüpfen würde um Fotos zu machen war klar.

saukalt!

Der Typ gab uns gottseidank noch einen wichtigen Tip zur Einstiegsstelle und so konnten wir die erst zu spät sichtbare zu niedrige Brücke bald nach dem Einstieg auf die man im rasenden Bach kehrwasserlos zugegurgelt wäre gleich mal umtragen. Puh, grauslige Vorstellung da drunter zu enden.

Wir steigen also bei Hinterlangenbach, einem klitzekleinen Weiler am oberen Ende diese wunderschönen Schwarzwaldtals hinab zum Langenbach. Der Langenbach ist hier höchstens 4-5 m breit und fliesst rasend schnell und gut eingeschenkt durch den Wald um mehrere kleine Kurven. Er ist nur leicht verblockt und teilweise durch alte Natursteinmauern eingefasst. Direkt an ihm entlang führt ein Forstweg auf dem Schnee liegt – pappnasser Schnee. Überall fliesst Wasser herab. Kleine Rinnsale von den Waldhängen wurden zu sprudelnden Bächlein, in den Spurrinnen im Schnee läuft das Wasser. Neben dem Forstweg fließt das Wasser über den Schnee. Es schifft wie aus Kübeln.

Wir wissen fast nichts über die obere Schönmünz (wie wir denken), bis auf die besagte niedrige Brücke bald am Anfang und einen gut sichtbaren umgestürzten Baum vor dem es kein Problem sei auszusteigen. Auf der Hochfahrt haben wir noch flüchtig ein Wehr gesehen welches die anderen Paddler links umtragen haben. Dieses Wehr so haben wir uns gemerkt, ist leicht zu erkennen da es bald nach einem kleinen Campingplätzchen auftaucht.

Wir patschen durch den Schneematsch den Forstweg entlang bis hinter die Brücke. Dort steigen wir ein. Es geht gleich verdammt schnell los, zwar nicht wirklich schwer da die Verblockung fehlt aber auch nicht gerade besonders entspannt. Man muss ständig auf der Hut sein, die Geschwindigkeit ist hoch, echte Kehrwässer fehlen völlig. Anhalten und Ausschau halten ist meist ein langsameres und etwas „kehrwasserähnliches“ Eckchen ansteuern und sich dann versuchen irgendwo an einer Wurzel fest zu klammern. Zwischendurch kommen immer wieder längere Stücke die man einfach durchrauscht. Den querliegenden Baum kann man tatsächlich schon frühzeitig erkennen. Wir steigen sobald wir ihn sehen aus da nicht klar ist ob sich näher noch ein vernünftiges Plätzchen finden lassen wird.

Nach dem Baum wird der Bach langsam aber sicher schwieriger, ab und zu tauchen kleinere Stufen auf. Ich fahre mit einem Abstand von vielleicht 20 m hinter Bernhard her. Er ist von uns beiden der mit Abstand sicherere Fahrer. So ist unsere Taktik in für uns schwereren Bächen, wenn wir a) nur zu zweit unterwegs sind und b) nicht sichern; dass er vorfährt, im nächsten Kehrwasser wartet und im Falle eines Schwimms meinerseits mir raushelfen bzw falls das nicht nötig ist dem Boot hinterher kann.

Hier auf dem kehrwasserlosen Bach funktioniert diese Taktik allerdings nicht da ich mit gewissem Abstand einfach hinterher muß denn ansonsten verlören wir uns schnell aus den Augen. Die Stufen kommen nun ab- und zu, sie sind nicht besonders schwierig aber haben schon kräftigere Walzen im Gefolge. Der Bach ist zwar nicht breit, er zwängt sich nun aber mit relativ viel Wasser für unseren Geschmack da durch.

Wieder einmal fahren wir auf einige Stufen zu, ich sehe Bernhards Kopf hinter diesen verschwinden. Ich paddle mittig auf die letzte Stufe dieser kleinen Stufenkombination, die sich recht breit an einer Engstelle des Bachs querlegt, zu und versuche vor ihr noch Geschwindigkeit aufzubauen. Das gelingt mir für meinen Geschmack eigentlich ganz gut. Als ich aber über die Kante komme, gebooft ist leider anders… – sehe ich einen ziemlich großen Wasserpilz relativ weit hinter der Walze. Oh Schreck! Ich lande auf seiner vorderen Hälfte, werde sofort zurück in die Walze gedrückt und gehe rein.
Unter Wasser registriere ich dass meine gute Seite bachabwärts ist. Zuerst bleibe ich über das Vorderdeck gebeugt und hoffe darauf dass die Walze das Boot freigibt. Das geschieht nicht und so versuche ich hochzurollen, bekomme aber nicht einmal ansatzweise Druck auf das Paddel. Alles ist weiß verwirbelt, ich habe das Gefühl dass ich mit dem Boot in der Walze gewandert bin aber immer noch drin hänge. Dann ziehe ich die Reißleine, was in meinem Fall die Spritzdecke und die Schenkelgurte gleichzeitig öffnet. Hier bewährt sich die neue Maßspritzdecke, sie flutscht sauber runter und ich bin schnell raus aus dem Boot. Die Walze bzw. der Pilz spuckt mich in Bachrichtung links etwas tiefer aus, und ich bin, da der Bach hier sehr schmal ist, schnell am Ufer. Hier macht mir eine Stützmauer für die Forststraße beim hochklettern einige Probleme.

Bernhard hat von meinem Schwimm nichts mitbekommen da er mangels Kehrwässern erst ein Stück unterhalb der Stufen in ein Kehrwasser einschwenken konnte. Erst dort sah er wie ich gerade aus dem Bach stieg und fast gleichzeitig schwamm auch schon mein Bootchen an ihm vorbei. Schade dass ich das Paddel losgelassen habe, aber so richtig ärgern kann ich mich nicht darüber sondern bin froh schnell aus dem Boot und dem Bach gekommen zu sein.

Wir sind uns einig dass zumindest dies Stufe nichts mehr mit den für die Untere Schönmünz ausgeworfenen Schwierigkeitsgrad II-III zu tun hat. Ich meine irgendwas um IV weil sich das für mich ungefähr so schwierig angefühlt hat wie bei unserer Fahrt auf der mittleren Murg. Bernhard hält sie für leichter und ich habe sie eben einfach falsch genommen.

Wir gehen Bach abwärts, Bernhard mag bei diesen Verhältnissen nicht alleine auf der Suche nach meinem Boot weiterfahren. Und, welche Überraschung, kaum 400 m später sehen wir es auf der andern Bachseite liegen. Wir denken dass es recht stabil liegt, doch da täuschen wir uns, bis Bernhard (da an der Stelle mal wieder eine Mauer den Einstieg verhindert) ein Stück oberhalb eingestiegen ist, ist es auch schon wieder weg. Wir gehen, weiter danach Ausschau haltend den Forstweg entlang bis zum nächsten Weiler Mittellangenbach wo wir Bernhards EZ ablegen.
Bernhard friert ziemlich, er trägt nur Neohose und Trockenjacke. Bei mir geht es dank meinem Trockenanzug einigermaßen aber durch die patschnassen Füße ist es mir eigentlich auch recht kalt. Meine Hände sind aber eiskalt was sich später noch schmerzhaft auswirken wird.

Der Bach sieht auch weiterhin schwierig und sehr schnell aus. Aber die Stelle welche mich raus gehauen hat scheint die Schlüsselstelle gewesen zu sein. Dann gehen wir wieder Bach aufwärts und schauen uns dabei diese Stelle genauer an. Der Bach ist hier ziemlich schmal, die Stufe geht über die gesamte Bachbreite von hier vielleicht 4 m. Rechts unterhalb ist eine kleine Felswand, links eine Mauer. Die Walze geht auch praktisch über die ganze Breite, der Pilz kommt aber erst ca. 2 m hinter der Walze ziemlich beeindruckend nach oben. Ich muß mir diese Stelle unbedingt mal bei wenig Wasser zu Fuß anschauen um zu wissen welche Felsformation dieses bissige Ding geformt hat. Bernhard fuhr die Stufe rechts und passierte den Pilz deshalb recht gut.

Wir holen das Auto, fahren dann auf der Straße bis nach Mittellangenbach und dort auf dem Forstweg am Bach entlang. Kurz oberhalb von Zwickgabel finden wir dann den Finkenmeister. Das Paddel bleibt natürlich verschwunden.

da ist er

Nachdem wir das Boot befreit haben fahren wir die Straße entlang der Schönmünz abwärts.
Wir sind erschrocken wie viel Wasser nun im Bach ist. Das Wehr sieht sehr sehr ekelhaft aus, ich bin fast froh dass ich so früh schon ausgestiegen bin… Im Ort Schönmünz gibt es noch einmal ein Wehr das die anderen Paddler links gefahren sind. Auch dieses sieht echt unangenehm aus. Es ist jetzt nochmal bedeutend mehr Wasser im Bach als vor 3 Stunden, der Pegel beim Pegelhäuschen in der Ortsmitte von Schönmünz zeigt 130 cm an! Das ist noch mal 15 cm über Josef Haas` “leichtem Hochwasser“. Und erst recht große Augen machen wir als wir zu der Blockslalomstrecke der oberen Murg kommen wo unser Auto steht. Was vor ca. 4 Stunden noch einigermaßen fahrbar aussah ist nun eine Abfolge von pulsierenden Monsterwalzen welche fast über die gesamte, enorm gewachsene, Flussbreite gehen und großen Wellen. Falls wir so weit gekommen wäre – spätestens hier wären wir hoffnungslos überfordert gewesen!

Schon auf der Heimfahrt tun mir die Hände weh – und dann am nächsten Tag kann ich mit Ihnen nichts mehr halten und mir nicht ein mal vernünftig die Schuhe binden, in der Kälte habe ich mir eine heftige Sehnenscheidenentzündung zugezogen.

Eino Woche später ging ich dann zu Fuß den gesamten Langenbach ab, erstens um mein Paddel zu suchen und zweitens um diese Stelle anzuschauen.

Nun ist mir klar warum die Walze so giftig war, die Stufe bildet mit einem Stein dahinter ein regelrechtes Kastenwehr. Die Felsbarriere in der Mitte ist ca. 3 m breit und bildet mit der Stufe die genau auf ihn draufschaut (die Perspektive täuscht hier ein wenig) den ca. 3 m breiten “Kasten” . Das Wasser kann bachaufwärts gesehen nur links des Felsen (aber dort mit einem Niveauunterschied von 60 cm ) oder durch den rechts sichtbaren Kanal (der schmaler ist als er hier erscheint) abfliessen.

Der Kasten

Diese Stelle ist auch die Schlüsselstelle des oberen Langenbachs.

Danach beim Weiler Mittellangenbach geht es ein wenig übers freie Feld um dann in die Untere Waldschlucht zuführen . Hier schaut der Langenbach noch mal richtig interessant aus, vom Charakter ist er auch dort nicht mehr so eng wie oben. Hier mal ein Bild einer Blockstelle nicht allzu weit weg von Zwickgabel.

sieht hübsch aus

Ich ging dann bis zum Wehr unterhalb von Schönmünz. Dieses Wehr schaut auch ohne Wasser nicht schön aus. Zudem glaube ich dass dort Wasser entnommen wird, unterhalb sah die Schönmünz nämlich ziemlich trocken aus im Vergleich zu oben. Ich denke der Langenbach sollte auch schon zu fahren sein wenn die Schönmünz noch nicht geht.

Bei dem Wasserstand heute (Pegel Schönmünz 29 cm) wäre es natürlich noch nicht gegangen, aber bei ca. 30-50 cm mehr Wasser sollte es möglich sein. Das würde bedeuten dass der Langenbach bei einem Schönmünzpegel von ca 80 cm gehen sollte – ein Pegel bei dem die Schönmünz selbst angeblich noch nicht möglich ist.

Wir kommen wieder !!!

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