Altweibersommer auf Loisach und Rissbach

Von fez, 27. September 2007 21:01

Ein warmes Wochenende bei BESTEM Wetter, Herbstanfang noch dazu – was will man mehr? Ja genau: Wasser in den Bächen braucht es auch noch. Das war zwar nicht üppig, aber ausreichend für eine gemütliche Bepaddelung von Loisach und Rissbach vorhanden.

BLAU

Am Freitag Abend quäle ich mich im Stau nach Herxheim um dort Bernhard abzuholen. Geschwind sein Geraffel eingeladen und los gehts – wir quälen uns nun gemeinsam durch den Feierabendverkehr über die liebliche A8 von Karlsruhe nach Stuttgart. Das heißt eigentlich quäle mehr ich mich denn Bernhard macht sich bald über den Biervorrat her und erzählt dabei lustige Geschichten wie Chinesen bei Kongressen über Navigationstechnik ohne ein Wort englisch zu sprechen wissenschaftliche englische Texte vorlesen um danach Fragen dazu zu beantworten – auf englisch natürlich.

Na ja, ab Ulm und der Autobahn Richtung Kempten wirds dann besser mit dem Verkehr. Wir kommen nachts um elf in Ehrwald an, suchen uns ein Übernachtungsplätzchen auf dem Parkplatz der Wettersteinbahn, trinken noch ein gemeinsames Bierchen dann gehts zu Bett in meinem ausgebauten Sprinter. Eigentlich gehe nur ich ins Bett denn Bernhard ist zu groß dafür da mein Bus einen Zwergenausbau hat. Er faltet sich auf dem Boden zwischen Vordersitzen, Bootsstauraum und Waschbecken aus. Ich könnte so sicher nicht schlafen – er aber behauptet eben dies dort prima zu können!

Samstag: Loisach oder perfekte Planung ist alles !

Der Tag beginnt mit Sonnenschein und einem tollen Ausblick auf, wie ich glaube, die Alpspitze. Bernhard kann sich, wider Erwarten nach diesem Schlafplatz, noch bewegen. Nach dem Frühstück gehen wir einkaufen nach Ehrwald, meine heftig quitschende verrostete weiße Riesenschleuder erntet dort neidische Blicke. Alles ist voll mit Mountainbikern.

Ich schalte mein Handy an damit ich für Martin erreichbar bin um den Treffpunkt für Sonntag ausmachen zu können. Aber seltsam – der Akku ist ja leer! Gestern Abend wurde doch noch angezeigt dass er voll geladen wäre? Na ja, Bernhard hat ja noch ein Handy. Er schaltet es an und zur allgemeinen Überraschung präsentiert auch dieses sich fast leer.

Merke: Wichtig bei jeder Unternehmung ist eine minutiöse Planung welche auch nicht das kleinste Detail den Zufall überlässt.

Wir fahren zur Loisach und treffen auf dem Parkplatz eine Gruppe von Paddlern welche uns heute noch 2 x überrunden werden – denn wir gehen die Loisach supergemütlich an, schauen uns jede unübersichtliche Stelle 3 Mal an, fotografieren viel.

Unübersichtliche Stellen gibt es genügend, aber da die Loisach mit 93 cm fast Minimalwasser hat ist kaum Druck da.

Ich fühle mich superwohl im Finki, das ist der erste Praxistest auf einem “richtigen” Bach mit ihm. Nur die Digitalkamera kann ich mit dem Pelicase relativ schlecht im Boot verstauen und reiße bei jedem Mal den Foto rauszerren fast den Bulkhead auseinander.

Irgendwann kommen wir auch zum “Dom”, über den wir in der Beschreibung in Mathias` Kajaktour-Beschreibung irgendetwas gelesen haben, aber was denn nur ? Na ja, egal. Ich bollere ein wenig durch die schmale Durchfahrt – ich wäre wohl besser vorher nochmal ins Kehrwasser eingeschwenkt. Nicht schön aber selten.

Immer wieder begeistern uns die großen Blöcke welche hier rumlungern und tolles Wildwasser kreiren:

Bernhard weiß von seiner ersten Fahrt auf der Loisach vor 10 Jahren noch dunkel irgendwas von einer höheren Stufe irgendwo am “Schluß”. Bald sind wir da. Bei höheren Wasserständen ist die Stufe vielleicht bissiger – nun aber richtig fluffig:

Die Stufe

Nach der Stufe wird es dann bald leichter und wir denken das es das nun war mit der Loisach. Sollen ja auch nur 5,5 km sein, stand sowas nicht in der Beschreibung? Wir kurven weiter und irgendwann kommen wir an eine Autobrücke. Mmh… Ist hier Schluß? Keine Paddler weit und breit. Wir haben die Beschreibung des Ausstiegs überhaupt nicht gelesen. Es geht halt nichts über eine gute Planung. Wenigstens haben wir unsere Köpfe nicht vergessen da sie festgewachsen sind.

Na gut, dann steigen wir halt mal hoch zur Straße. Bernhard frägt ein paar Leutchen die da im Wald Holz machen ob das die Kajak-Ausstiegstelle wäre. Verwunderte Blicke… Nein! Es geht angeblich noch ein ganzes Stück weiter.

Gut, im Wissen dass alles schwierige vorbei ist fahren wir weiter, da kommt jetzt halt noch so ein bißchen Geplätscher. Wir treffen 3 Paddler aus Wuppertal und quatschen ein bißchen mit ihnen. Dann verschwindet Bernhard um eine Kurve, ein paar größere Blöcke liegen da auch herum. Ich denke mir nichts böses und fahre etwas später hinterher – aber hoppla! – da ist es auf einmal garnicht mehr so einfach! Es kommen ein paar Stufen, eine Kurve, Bernhard sehe ich auch nicht mehr, habe aber auch keine Zeit großartig nach ihm zu suchen sondern konzentriere mich lieber erstmal auf diese Stufen hier vor mir. Einer der Wuppertaler sichert, das ist ja schon mal beruhigend! Also weitergefahren und eifrig gestützt. Hossa, luschdig!

Wie sich später herausstellt war das eine der Schlüsselstellen – das “Treppenhaus”.

Aber ab jetzt kommt tatsächlich leichteres Wasser, leider teilweise ziemlich doofes da das Hochwasser hier die Loisach ziemlich verändert hat und mit dem Bagger irgendwelche runden Felsbrocken im Bach verteilt wurden.

Kurz vor der richtigen Ausstiegsstelle liegt linkerhand ein Felsen an dem geklettert wird. Nachdem wir mit den Wuppertalern umgesetzt haben machen wir uns einen Kaffee und gehen dann über eine Fußgängerbrücke zurück zu diesem wunderschönen Plätzchen. Die Sonne scheint, wir lassen den Herrgott einen guten Mann sein, trinken Kaffe und essen Nußzopf. Dann quatschen wir mit dem Kletterpärchen aus Spanien. Ich rede italienisch mit ihnen, bzw. die paar Brocke italienisch welche ich kann – da ich ja weiß dass Italienisch und Spanisch praktisch die gleichen Sprachen sind! Die beiden sehen das aber augenscheinlich anders. Bernhard kann aber spanisch – echtes spanisch- und palavert gleich flüssig mit ihnen. Angeber.
Die beiden sind tatsächlich aus Spanien zum Klettern nach Garmisch gefahren. Hammerhart!

Wir beschließen den Abend ganz relaxt direkt an der Loisach, werfen den Grill an, Bernhards Steak liegen zuhause in Herxheim im Kühlschrank, auch nicht schlecht. Dafür habe ich 3 Tonnen Zucchini von Aldi und Schafskäse noch dazu.

grilli grilli

Nachts bzw. um 9 Uhr fahren wir zum Sylvensteinstausee in der Gegend des Rissbach um dort zu pennen. Auf dem Grillplatz beim Parkplatz ist aber grade ein Festchen irgendwelcher Allgäuer Nazis mit riesiger Deutschlandfahne. Nazis mit schwarzgefärbten Haaren ? Das ist ja gerade das perfide meint Bernhard, damit rechnet ja keiner ! Nur 1 km entfernt finden wir glücklicherweise einen sehr netten Wohnmobilübernachtungsplatz. Noch ein Bierchen und dann gehts müde ab ins Bett , Bernhard taucht wieder ab und faltet sich zwischen die Einbauten.

Sonntag: Rissbach mit Martin und Stefan

Zum Frühstück fahren wir da unser Übernachtungsplätzchen etwas schattig ist geschwind zum Parkplatz am Sylvensteinstausee. Die Nazis verkrümeln sich so langsam. Wir sitzen in der Sonne, trinken Kaffee und genießen den grandiosen Ausblick.

Das Wetter ist unglaublich, keine Wolke am Himmel weit und breit. Besser kanns nicht mehr werden. Wir diskutieren über Religionen und ihren Alleinvertretungsanspruch, mit welchen wir beide so unsere Probleme haben. Wäre es nicht äußerst ungerecht von jedwelchem Gott sich nur einer bestimmten Gruppe von Menschen zu offenbaren? Es wäre doch z.B. höchst unfair von Gott sich zum Beispiel vor ca. 2000 Jahren in Israel einigen wenigen zu offenbaren – unfair jenen Menschen gegenüber welche das Pech hatten in den geschätzten 15000 Jahren menschlicher Existenz vorher gelebt zu haben oder eben anderswo zu leben?

Am See

Zurück zu einfacheren Themen.

Da ich eigentlich annehme dass Martin nicht kommen wird da er auf den Beitrag meiner Frau im wildwasserboard nicht geantwortet hat lassen wir uns viel Zeit. Wir müssen ja meiner Ansicht nach nicht zum vereinbarten Zeitpunkt “An der Brücke am Rissbach” sein. So kommen wir eine Viertelstunde zu spät am “Treffpunkt” vorbei. Aber haaalt, da steht ja ein Bus mit einem Indian Canoe XL 13. Nicht zu übersehen, das muß er sein! Und da steht noch ein Auto mit einem Robson Homes, wer ist das denn ? Es sind Martin und Stefan welche sich bisher auch nicht kannten – der Kontakt kam auch übers wwb zustande.

Nach kurzem Palaver fahren wir zuerst hoch zur Brücke von der man einen Blick in die Rissbachklamm werfen kann. Hölle ! Viel Wasser ist drin, ich kann mir nicht vorstellen dass man da wieder lebend aus dem Rücklauf der 5 m Stufe rauskommt – zumal das Wasser heftig unter die Unterspülung zieht welche sich rechts am Fuß der Stufe verbergen soll. Nichts für Leutchen wie uns!

Wir fahren deshalb schnell weiter zur Ausstiegsstelle für den paddlerischen Otto-Normalverbraucher bei den “Garagen” – das sind richtige kleine Buchten, ein sicherer Hafen für bestimmt 3 Boote hintereinander. Bis dorthin führt eine Niederklamm im dritten Grad von der man aber nicht viel sehen kann.

Garagenplatz nicht im Mietpreis enthalten

Da solch unglaubliches Wetter ist ist auf der Straße die Hölle los. Stoßstange an Stoßstange fahren wir mit anderen Naturgenießern rißbachaufwärts. Die Schrägen Schrippen sowie das Straßen-S wollen auch noch besichtigt sein, wir sind ja schließlich zum ersten Mal hier und Zeit haben wir auch.

Endlich auf dem Bach bekommt man von dem ganzen Rummel nichts mehr mit. Paddler sind seltsamerweise aber keine am Start. Am Wasserstand kann das nicht liegen , der ist ok.

Am Einsteig

Noch ein Bild weils gar zu schön ist. Nette Leute, Sonne aber keine Hitze. Ach Gott, alle die nicht dabei sein dürfen haben was verpasst! Stefan, Bernhard und Martin:

Stefan, Bernhard, Martin

Wir kommen sehr schnell vorwärts der Rissbach plätschert schnell über die Kiesbänke. Eine kleine Klamm bringt kurz Abwechslung. Hier noch eine kleine Surfwelle, zu rollen empfiehlt sich hier allerdings nicht, das Wasser ist nicht allzu tief.

surfin`

Viel zu schnell für meinen Geschmack sind wir auch schon beim Strassen-S. Alle steigen aus um sich die kleine Stufe anzuschauen welche die eigentlichen Stufe bewacht.

Normalerweise kann man dieses Stüfchen wohl direkt von links anfahren was bestimmt einfacher ist. Da aber der linke “Kanal” mit einem kleinen Bäumchen blockiert ist geht das für uns nicht. Bernhard fährt als erster, er quert schräg nach links rüber um das kleine Wälzchen zu vermeiden, um dann ganz einfach übers Stüfchen runter zu rutschen. Sah ganz einfach aus und wars auch.

Bernhard im Stüfchen

Ich erwische die Schrägquerung nicht so richtig und fahre deshalb ziemlich schräg , fast surfend und sauschnell durch die kleine Walze. Das war zwar nicht so geplant – hat aber super Spass gemacht!

Die eigentliche höhere Stufe stellt kein Problem mehr da, die Anfahrt ist eigentlich nicht zu verfehlen. Aber anscheinend hat diese Stufe schon ihre Opfer gefordert!

Knochenkarle

Stefan und Martin überlegen ob sie sie fahren sollen. Stefan befürchtet in der Walze zuviel Wasser zu tanken und dann womöglich in der Hauptstufe Probleme zu bekommen. Wahrscheinlich wäre es kein Problem gewesen ist jetzt im Nachhinein klar. Martin überlegt ernsthaft ob er fahren soll. Da dies aber seine erste Gelegenheit wäre etwas schwereres zu fahren und die eigentliche Stufe welche ca. 10 m nach diesem Stüfchen kommt heute bestimmt recht unangenehm zu schwimmen wäre lässt er es.

Schon bald sind wir an den Schrägen Rippen. Wieder die gleiche Prozedur, alle steigen aus um sie sich anzuschauen.

Bernhard fährt wieder als erster. Er nimmt das letzte Kehrwasser links vor den Rippen dann fährt er relaxed drüber runter. Ich fahre auch links an aber lasse das Kehrwasser Kehrwasser sein und gleite problemlos am linken Rand über alles schräge gerippe drüber.

Und dann kommt Stefan ! Er fährt eine wunderschöne Route, viel weiter rechts als wir und tankt wohl keinen Tropfen Wasser. Ein toller Anblick!

Stefan mit Bestnote

Martin ist auch hier vorsichtig und lässt es lieber.

Ab hier gehts noch um ein paar Kurven herum bis man an jenen Ausstieg bei einer Brücke kommt welche jene nehmen sollten die vielleicht noch nicht ganz so sicher im Boot sitzen und denen die Niederklamm mit den unbedingt zu erwischenden “Garagen” am Ende nicht ganz geheuer ist. Martin steigt hier aus.

Es ist schade für ihn dass er hier nicht mitfahren kann denn diese kurze Klamm ist mit Abstand der schönste Streckenabschnitt des Rißbachs. Hier ist das Wasser kanalisiert und gebündelt und hat deswegen richtig Druck im Vergleich zur Vorstrecke. Die Kehrwässer drehen sich kraftvoll und zudem hat man immer so ein wenig den Gedanken im Hinterkopf dass man hier und jetzt nun besser keinen Mist bauen sollte. Auch wenn man selbst schwimmenderweise die Garagen erwischen sollte, ausprobieren möchte ich das nicht.

Das war ein unheimlich nettes Wochenende! Vielen Dank an die Loisach (mein Favorit), den Rissbach (auch sehr schön), an die Sonne und den blauen Himmel. Mein Dank geht ausdrücklich nicht an die total verstopften Straßen auf der Heimfahrt.
Sehr nett war es Martin und Stefan kennenzulernen. Martin war gesundheitlich etwas angeschlagen und mußte zudem als alleinerziehender Vater noch die seine zwei Kinder bei der Schwiegermutter unterbringen – um so mehr freut es mich dass er mitkam.

Hier sind alle Bilder

5 Antworten für “Altweibersommer auf Loisach und Rissbach”

  1. C-Nutzer sagt:

    Schön wars bei Euch!
    Bei mir am Staffelsee zwar auch schön ([url]www.bushpaddler.de/staffelsee.htm[/url]) aber trotzdem bin i a bisserl neidisch! Ich tobe mich ab Freitag eine Woche an der Soca aus, das hat auch was.
    Bin gespannt wann wir es mal miteinander auf den Bach schaffen.
    Kompliment auch für die Bilder, besonders von Stefan an den Rippen.

    Florian

  2. Raphael sagt:

    Was für eine geile Tour! Ich war vor Jahren mal am Sylvenstein-Speicher – eine tolle Gegend.
    Ich finde Deine Berichte immer sehr gut geschrieben Fez, sehr plastisch und emotional. Machen massiv Lust aufs Paddeln!!

    Eigentlich sollte man sowas garnicht lesen, wenn man im Büro sitzt. Ich komme einfach nicht zum Paddeln Sch…

  3. C-Nutzer sagt:

    Servus,

    na da werde ich dann doch a bisserl neidisch…aber irgendwann wird das schon mal klappen miteinander zu paddeln.
    Sehr schöne Bilder! Nur noch 3 Tage und ich bin auch erstmal weg…

  4. martl62 sagt:

    Da könnt Ihr auch alle neidisch werden, Traumtour bei Traumwetter und Wasser.
    Die tolle Berichtserstattung von Fez macht Lust auf baldige Wiederholung.
    Auf die Bekanntschaft von Fez und Bernhard aus dem Forum und von Stefan (vielleicht auch bald im WWB?) war ich so gespannt, dass ich trotz gesundheitlichen Einschränkungen einfach am Sonntag da sein mußte. Hab ich nicht bereut.
    Nur dass ich die 2 Schlüsselstellen ausgelassen habe, wurmt mich im nachinein doch ein bisschen.
    Beim nächstenmal….

  5. [...] Griesenschlucht hat diesmal mit Mittelwasser einen ganz anderen Charakter als bei unserer ersten Fahrt 2007 bei wenig mehr als Mindestwasser. Die Loisach bekommt richtig Druck so dass wir manche Stellen [...]

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