Ruhig, einsam, erholsam

Von stefi, 30. Juli 2007 18:47

Aus Langeweile kauft man sich an einem Bahnhof auf der Reise nach Polen ein Kanu Magazin. Zufälligerweise liest Fabian darin einen Artikel über die Mecklenburgische Seenplatte. Natürlich hatte ich den Vorschlag auch schon Mal gemacht, aber man wollte ja nach Polen. Spontan entscheiden wir uns dann doch zum netten Herrn Rutz an die Uecker zu fahren und dort Kanus zu mieten.

Den Sonntag verregnets uns, wir werden begossen und schauen uns das geschlossene Eggesin an. Nur der Kebab-Heini profitiert davon, dass er der einzige ist, der geöffnet hat. Eine sonderbare Stimmung in Ortschaften, in denen die Hälfte der Gebäude leer stehen, die Kirchen verschlossen sind und die meisten Geschäfte nicht gerade regelmässig -wenn überhaupt- offen sind.
Abends fahren wir an den Oberuckersee, Fabian packt seine Angelrute aus, was fatale Folgen hat für die kommenden Tage. Erste Barsche beissen an, in der Hoffnung auf einen Hecht kutschieren wir Fabian dem Ufer entlang. Die Fische ergänzen unsere mageren Vorräte ziemlich gut.
Ein morgendliches Bad im See lässt den Tag gut beginnen. Als endlich alles in den zwei Gatz Mohawk verstaut ist und wir losfahren weht schon ein ordentlicher Wind. Zum Glück nicht von vorne, doch leider bringt das die kreativen (andere würden sagen: faulen) Herren auf die Idee zu segeln. Was ihnen offensichtlich nicht gelingt, denn der Abstand zum Frauenboot wird immer grösser. In der falschen Ecke des Sees angekommen, gilt es doch noch gegen den, nun schon ziemlich starken, Wind zu kämpfen. Wir finden den Kanal zum Unteruckersee dann doch noch. Schon von weitem sieht man die monumentale Kirche von Prenzlau, die dasteht, als hätte man einfach die Welt um sie herum geschrumpft. In Prenzlau können wir beim Seesportverein ziemlich günstig zelten.
Am zweiten Morgen geht’s mit gefüllten Proviantsäcken los auf ein ziemlich schönes Stück durch Prenzlau hindurch. Die Gärten am Ufer bringen den positiven Nebeneffekt mit sich, dass wir vom Wasser aus an sonst unerreichbare Brombeersträucher kommen, die überfüllt sind mit reifen Beeren. Mit roten Fingern und einem Beerenvorrat gehts weiter.
Am Abend übernachten wir auf einem Feld irgendwo zwischen Prenzlau und Pasewalk. Das interessanteste, das Pasewalk zu bieten hat, ist vielleicht die “Weiberwirtschaft” mit ihren niedrigen Preisen. Die Menüs rochen jedoch verdächtig nach aufgewärmtem Büchseninhalt, das Fleisch war paniert oder gehackt.
Bei einer Hirschzucht verbrachten wir eine weitere Nacht. Der Hobby-Hirsch-Halter war sehr freundlich und hat uns sogar mit dem Traktor Feuerholz gebracht.
Kurz vor Torgelow kann man das Ukranenland, der Nachbau einer slawischen Siedlung direkt an der Uecker besuchen, heute von Touristen bewohnt. Besonders interessant sind natürlich die beiden nachgebauten Schiffe, die vor der Siedlung anliegen. Oder die Touristen, die Geld bezahlen, um in besagten Gefährten wie Sklaven 10 Minuten rudern zu dürfen.
In Torgelow dann das mühsamste Wehr, ohne Bootswagen fast nicht zu umtragen und keinenfalls fahrbar. Der Wasserwanderrastplatz ist jedoch gut ausgeschildert, wenn man den Schildern folgen würde, wär alles auch ganz einfach.
Wieder in Eggesin angekommen zieht’s die einen unter die Dusche, andere eher an die Angelrute. Das Resultat sind gewaschene Haare, saubere Kleider und leckerer Hecht am Feuer.

Wir hatten das Glück, die Uecker bei ziemlich hohem Wasserstand zu befahren und kamen so einigermassen zügig voran. Dadurch sahen wir auch hin und wieder über die Schilfgürtel hinweg, die den Fluss fast permanent säumen. Nichts für ungeduldige Gemüter, jedoch allen Naturbeobachtern zu empfehlen. Wir sahen mehrmals Eisvögel fliegen, entdeckten immer wieder Biberspuren. Nebst dem Schilf schwimmen überall Wasserlinsen und Seerosen, sowie hübsche Froschlöffel und Schwanenblumen. Schwäne kann man übrigens auch sehen. Neben den eher unangenehmen Mücken und sonstigen Blutsaugern gibt es jede Menge Libellen die ums Boot herumschwirren. Doch bevor ich auch noch anfange von den Charas und Potamogetons und den Schnecken und Nebelkrähen, Vogelschwarmformationen und Wasserlilien zu erzählen, empfehle ich die Uecker jedem, der auch mit Wasser ohne weiss auskommt.

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