Mama, Mama ! (Mittlere Murg)

Von fez, 1. Juli 2007 19:53

Angus aus Neuseeland

Walzenerkundung Mittlere Murg

oder Mama, Mama ! Ich bin nur nur fünf mal geschwommen!

Ever tried. Ever failed. No matter.
Try Again. Fail again. Fail better.
<Samuel Beckett> (Danke C-Nutzer!)

Seit ich zum ersten Mal die Untere gepaddelt war träume ich von der Mittleren. Diese ist aber grenzwertig schwer für mich und hat zudem nur selten genügend Wasser. Wenn sie dann aber mal Wasser hat ist mir der Kelch leider auch schnell zu voll eingeschenkt. Zudem gibt es dieses Wasser noch meist im Winter in welchem allzu viele Schwimmeinlagen bekanntlichermaßen auch nicht das Gelbe vom Ei sind.
Die Mittlere Murg war also mein Fernziel – aber ich wagte aus besagten Gründen nicht wirklich darauf zu hoffen dass sie sich allzu schnell verwirklichen lassen würde. Aber dann – ÜBERRASCHUNG! – im verregneten Juni 07 wird wegen Wartungsarbeiten das Wehr bei Kirschbaumwasen geöffnet und deshalb ist die Murg plötzlich bei sommerlichen Temperaturen befahrbar und kein kleines Badebächlein! 12m²/s wird sie heute haben.

Samstag Morgen. Es geht los.

Ich bin schon zuhause unheimlich nervös, muß alle 5 Minuten aufs Klo und der Blick mit Bernhard auf der Hinfahrt in die obere Schluchtstrecke trägt auch nicht gerade dazu bei meine Nervosität zu verringern.

Auf dem Parkplatz in Kirschbaumwasen treffen wir Falk, Angus (einen C-Boater aus Neuseeland) und Siggi. Hier gesellt sich auch noch Sven, der alleine unterwegs ist, zu uns. Er kennt die Mittlere Murg schon, was sehr hilfreich ist.

Sven und siggi

Angus, ein ganz relaxter Typ der nicht mehr der jüngste ist, fährt im Finkenmeister, dem Testboot noch vom C-Meeting. Er fährt einen traumhaften Stil, in aller Ruhe zirkelte er sich mit seinem auffallend kurzen Stechpaddel durch die Katarakte. Bernhard meinte treffend dass Angus eigentlich garnicht paddelt sondern mehr lenkt. Das aber macht er so präzise und traumwandlerisch das es eine Lust ist zuzuschauen. Und er rollt wie der Teufel! Mehrmal rollt er in Situationen an denen ich sofort ausgestiegen wäre in seinem ganz eigenen Stil wieder hoch. Er hat einfach die “guts” :-) .

Die Nervosität am Morgen ist voll gerechtfertigt, ich bin überrascht wie schwer die Mittlere ist. Die Cracks mögen darüber lächeln – ich kämpfe heftig um aufrecht zu bleiben. Schon alleine vom technischen Anspruch und der Häufigkeit sowie der schnellen Abfolge von für meinereiner schweren Stellen und Katarakten ist sie ein ganz anderes Kaliber als die Untere Murg.

Foto Falk

Aber auch landschaftlich ist sie unglaublich schön. Stark verblockt mit eindrucksvollen Granitbrocken, starke Stromzungen, Stufen – sehr eindrucksvoll ist es auch nach jedem Katarkt zurück zu schauen und zu sehen wieviele Höhenmeter der Bach abbaut.

Fotos Falk

Vor allem der erste Teil bis zur Einmündung der Raumünzach erscheint mir sauhart, hier schwimme ich zwei Mal. Beide Male kann ich die Kraft der Strömung in einem Katarakt nicht richtig einschätzen und fahre deshalb eine falsche Linie. Einmal davon fahre ich relativ am Anfang eines Katarakts auf einen überspülten Fels in Bachmitte, dieser wirft mich offseitig rein und ich steige nach einem erfolglosen Rollversuch mitten im Katarakt aus.

Nach dem zweiten heftigen Schwimm in der Schluchtstrecke will ich eigentlich aufhören und steige nur noch mal zurück in mein Boot um an einer geeigneteren Stelle zur Straße hoch zu kraxeln. Aber, seltsam – irgendwie bin ich nun in Schwung gekommen, fühle mich sicherer und beschließe weiterzufahren.

Im zweiten Teil ab Raumünzach sind dann zwar auch noch ein paar heftige Stellen und ich schwimme noch 3 mal – aber bei diesen Schwimms bin ich ziemlich rasch wieder draussen. Ich schwimme z.B. schön mitten durch den Schlitz des Karussells weil mich (so glaube ich zumindest…) ein wasserüberonnener Felsen den ich übersehe aushebelt und ich angesichts des Katarakts lieber gleich aussteige als das Ding kopfüber runter zu bollern. Bernhard FÄHRT zumindest durch den Schlitz, den die anderen über die Platte daneben berutschen…und bleibt aufrecht, Bravo!

Bernhard

Foto Falk

Bilder habe ich nur von den Katarakten im letzten Drittel der Strecke, denn am Anfang und in der Mitte war ich mehr damit beschäftigt aufrecht zu bleiben und die Linie welche Angus oder Falk fuhren nachzufahren oder aber zu schwimmen und das Innere von Walzen zu erkunden.

Zwei mal fahre ich zu langsam oder in falschem Winkel in fiesere Walzen ein. Einmal “windowgeshaded” traue ich mich dann nicht hochzurollen, ganz überrascht von der schieren Wucht die hinter diesen Dingern steckt. Angus meint nachher zu mir ich habe zu schnell aufgegeben ..:-)) Na logo ! Ich sehe schon, ich muß mich mal einen Tag lang in der Einstiegswalze von Hüningen vergnügen und nur das Rollen in der Walze üben!

Siggi im letzten Drittel der Mittleren in einem der zahlreichen hier unten übersichtlicheren und nicht so stark verblockten Katarakte:

Siggi

Hier Angus im Sidesurf irgendwo im letzten (leichteren) Drittel der Mittleren:
Angus im Sidesurf

Die Mittlere entpuppt sich auch als überraschend lange. Ich frage mich dauernd wann denn jetzt endlich diese Eisenbrücke auftaucht welche ich vom Baden her kenne, sie ist kurz vor der Hesselbach, einem schönen sandigen Badegumpen relativ nahe bei Forbach. Als es soweit ist bin ich echt froh, denn mir geht langsam aber sicher die Kraft aus und kalt ist es mir dank meiner Schwimmereinlagen auch schon eine ganze Weile. Der Muskelkater der am nächsten Tag auf mich harrt wird heftigst sein, soviel ist klar…

Traurig ist nur die Tatsache dass wir wahrscheinlich nicht so schnell wieder auf die Mittlere gehen können werden – denn zu dritt mit zwei Wackelkandidaten (Marcus und mir) sowie im Winter können wir uns die Mittlere leider nicht erlauben. Alles zu sichern würde viel zu lange dauern.

Vielen Dank an Sven fürs guiden und an alle anderen, Angus, Bernhard, Falk und Siggi für den Spirit, wiederholte Bootsbergeaktionen und für den netten Tag!

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