C-Treffen 07

Von fez, 25. Mai 2007 22:54

Schon zum zweiten Mal rief Matt, der Exil-Neuseeländer, Stechpaddler aus ganz Europa zum gemeinsamen paddeln und klönen ins Simmental in der Schweiz. Das Clubhüttli des Kanu Club Spiez (das „Klubedli“ wie Matt sagt ) welches direkt am Ufer der Simme steht bot das gewohnt urige Basislager.

Auch dieses Jahr waren etliche Einarmige dem Lockruf gefolgt.

Teilweise waren bis zu 26 Stechpaddler aus ganz Europa da! Der Anblick der vielen C-Boote auf dem Parkplatz – und zusätzlich noch der Testflotte mit allen wichtigen Esquifs welche Falk organisiert hatte (Danke!!) war einfach der Wahnsinn !

Oben sieht man nur einen kleinen Ausschnitt davon…Den Anreiserekord hielt Eddy der in 30 Stunden mit seiner Frau und Tochter aus Lettland zum Treffen kam! Wie man das macht ? : Heavy Metal, Red Bull und den Kopf aus dem Fenster strecken!

Auch nicht von schlechten Eltern wenn auch nur halb so lang war die Anreise von Sandy und Chris aus Wales mit 18 h. Den größten Respekt aller hat sich auch Patrizia erarbeitet die mit enormem Mumm in den Knochen jeden Tag des Treffens aufs Neue wie aufgedreht Testboote auch auf schwierigen Strecken fährt. Hier am zweiten Tag auf der Simme:

Fab im Zephyr

Wenig Respekt zeigt auch Stefi, die Kajakfahrerin, welche erst seit kurzer Zeit auch einseitig paddelt und gleich solo im Esquif Spark das Heideweidli fährt!

Noch zwei Wochen vor dem Meeting war Europa staubtrocken und es stand schon zu befürchten dass die Bäche nur bewandert werden können. Doch auf der Anreise von Arno, Harald und mir Mittwoch Nacht schüttete es ununterbrochen wie aus Eimern – und die ganze Nacht ging das so weiter.

Donnerstag 17. Mai > Sense

Als wir heute Morgen die Simme am Ufer vorbeirauschen sahen war klar – zuwenig Wasser gibt’s nicht, wohl eher zuviel. Es regnete immer noch und war saukalt, vielleicht 10 oder 11° C. Wir warteten bis um 12 bis alle Leute eingetrudelt waren.

Die Testboote wurden verteilt, ich ergatterte den Esquif Taureau. Das Boot passte mir sofort ohne jegliche Fittinganstrengungen wie ein Handschuh, unglaublich! Der Bulkhead ist wie für mich gemacht – ich war mit dem Boot sofort glücklich. Matt gab die Losung aus dass wir heute an die Sense gehen, ein netter IIer zum einpaddeln für jeden. Mit einer Schlucht die durchpaddelt werden muß und die angeblich nicht zu Fuß verlassen werden kann. Und endlich startete der ganze Troß aus 5 Autos mit Anhängern und ewig vielen Booten.

Wir kommen recht spät bei der Sense an und als ich auf den Bach schaue habe ich ein klein wenig Zweifel ob das wirklich so ein locker flockiger Einpaddeltag werden wird…. Im Bach ist sehr viel Wasser und die braunen Fluten verbunden mit dem Sauwetter machen keinen so richtig flockigen Eindruck. Dazu kam natürlich dass viele Leute in Testbooten sitzen in welchem man sich eben doch nicht auf Anhieb so heimisch fühlt wie im eigenen Boot.

Es geht auch gleich mit relativ viel Druck im Bach zur Sache. Einschlingen in die kräftige Strömung, so gut es geht in den Fluß kommen um nicht gleich auf eine verholzte angespülte Wand gedrückt zu werden, danach ein seltsamer Pilz der einem kurz festhält und so weiter, usw. weiter. Nach kurzer Zeit schwimmen schon einige, wir sind immer wieder mit dem rausziehen gleich mehrerer Boote beschäftigt. Arno und Olaf ziehen, nachdem Arno nach einem Schwimm sein Paddel verliert, die Notbremse und versuchen, die Boote geschultert, aus der Schlucht rauszugehen – und das sieht hier auch ganz gut machbar aus. Die anderen fahren weiter. Obwohl ich nicht schwimmen muß fühle ich mich erst nach einiger Zeit wirklich sicher. Im Bach kann ich persönlich nichts zur Rettung anderer Leute beitragen denn ich bin vollauf damit beschäftigt selbst aufrecht zu bleiben und mich von den an (und wohl auch unter…-) spülten Prallwänden fernzuhalten. Bis jetzt ging alles gut, keiner der Schwimmer schien wirklich gefährlich zu sein.

An einer Stelle kurz bevor einige Bäume über den Bach hängen schwimmt Harald, er kann dort aber gut nach einem der vielen geworfenen Wurfseile greifen und ist schnell draußen. Ein OC-Fahrer aber welcher an der gleichen Stelle schwimmt möchte als er die Rettungsleine schon in der Hand und schon nahe des Ufers in der Strömung steht partout nicht sein Boot loslassen. Es ist klar dass er bei der starken Strömung das Boot nicht halten können wird. Er kommt ins straucheln, lässt die Leine los (!!) und wird unter die Büsche und Bäume gespült !!. Panik bricht aus. Harald, Jan, Chris und ich rennen um den Baumverhau herum und versuchen mittig an den Bach zu kommen. Dort angelangt sehen wir nichts in dem braunen Gegurgel. Wir laufen zur Unterseite – auch dort nichts! Dann sehen wir dass ca. 50 m tiefer auf der anderen Flussseite Matt und einige Leute den Schwimmer, der es mit viel Glück geschafft hat nachdem er unter den Bäumchen durchgespült wurde noch eine Wurfleine zu packen, versuchen herauszuziehen. Matt steht in der Strömung im dort nicht allzu tiefen aber reißenden Wasser und versucht den Verunglückten der sich praktisch besinnungslos ans Seil klammert rauszuzerren, was ihm aber nicht so einfach gelingt. Als sie ihn draußen haben rufen sie per Handy einen Rettungshubschrauber der auch beeindruckend schnell da ist und den Verunglückten sowie Jan ins Krankenhaus nach Bern mitnimmt.

Die ganze Aktion hat recht lange gedauert, kalt ist es, es fängt auch bald an zu dämmern und weiterpaddeln will niemand. Ich erkunde ob man hier auch zu Fuß rauskommt. Den rutschigen Weg den Steilhang hoch den ich finde wuchten wir dann die ganzen schweren Boote. 2 Ocoees, einen Zoom, einen Blast, den Taureau und Haralds Twintip. Wer ein mal den Film Fitzcarraldo gesehen hat weiß wie anstrengend so etwas ist. Hölle! Zumindest kalt ist es jetzt niemandem mehr. Stunden später, nachts um 11 vielleicht, sind wir wieder zurück im Clubhüttli. Falk fährt noch nach Bern um dort den Verunglückten aus dem Krankenhaus abzuholen, er ist unverletzt noch mal mit einem Schrecken davon gekommen.

Freitag 18. Mai > Simme
Heute steht niemandem mehr der Sinn nach Anspannung und Kampf deshalb fahren wir zum unteren leichten Abschnitt der Simme. Das Wetter ist heute fantastisch, im Gegensatz zur Kälte des Vortags scheint nun die Sonne und es hat bestimmt 25 ° C. Es ist aber recht viel Wasser im Bach, irgend wie habe ich das hier anders in Erinnerung. Ich habe mir heute Matts Wheelboy ausgeliehen, rette mich aber ziemlich wackelig gleich ins erste Kehrwasser und beschließe mir die heute doch recht wuchtige Simme nicht im Wheelboy anzutun in dem ich mich irgendwie überhaupt nicht wohl fühle.

Auch Raphael kentert gleich nach dem Einstieg im Dagger Quake von Siggi, das war aber wohl mehr Unaufmerksamkeit… So fahren Arno (der auch nicht paddelt) und ich zur Ausstiegsstelle um die anderen dort abzuholen. Dort sehen wir bald Jo`s Dagger Prophet vorbeischwimmen und Chris und Sandie die das Boot im Blast (?) verfolgen.

verfolgung

Mittags paddle ich mit Siggi1 im Quake

Siggi

und Siggi2 im Pyranha Burn die Strecke noch einmal und dieses Mal steige ich in meinen Delirious. Aaah, endlich wieder im eigenen Boot, das flutscht doch gleich ganz anders ! Aber so viel Spass wie letztes Jahr macht die Simme bei diesem Wasserstand nicht, man rauscht halt so durch – Kehrwässer sind Mangelware.

Als wir abends zurückfuhren steht eine lange Gestalt an der Brücke am Heideweidli – es ist tatsächlich Heinz! Raphael ist auch da und berichtet dass gleich Matt und Stefi im Tandem sowie Falk im Finkenmeister ankommen werden um abends noch das Heideweidli zu fahren. Die Sonne steht schon tief über der Brücke und beleuchtet die Gischt des Katarakts dramatisch – eine unglaubliche Stimmung ! Es ist mal wieder ein echtes Erlebnis einen Tandemkanadier derart rasant in ein Kehrwasser einschlingen zu sehen ! Das Bild seht ihr bei Stefis Bericht!

Hier Falk beim Verlassen des Kehrwassers nach dem Katarakt:

Dynamik!

Samstag 19.Mai > Simme

Wieder gehts auf die Simme, dieses mal auf den Heideweidli-Abschnitt. Am Vortag als noch eine ganze Ecke mehr Wasser im Bach war, waren Siggi und Steve diesen Abschnitt schon einmal gefahren – das war den meisten von uns aber dann doch zu wuchtig. Heute machte sich das schon viel besser.

Reto in Eddys Prelude den er diesem dann schließlich abkaufte – er war glücklich mit seinem neuen Boot und grinste die ganze Zeit!

Reto im PreludeSiggi fuhr im Taureau und hatte auch sichtlich Freude an dem Boot:

Siggi im Taureau

Ich fuhr im Delirious und hatte sehr viel Spass, kein Vergleich zur Roller- und Schwimmerei des Vorjahres. Fabrizia war in Weißenburg glücklich in meinen Delirious umzusteigen und so hatte ich Gelegenheit auf der unteren Simme den Finki zu testen.

Ich hatte enorm viel Spass mit dem Boot und könnte mir sehr gut vorstellen ihn auch selbst zu fahren. Er war sauschnell, recht stabil, meine Befürchtung zu leicht zu sein hat sich auch nicht bestätigt, mein geringes Gewicht war kein Problem. An einige Eigenarten des Bootes kann man sich gewöhnen, mir fiel z.B auf dass er aktiv und korrekt über die Kehrwasserlinie gefahren werden will da diese einem ansonsten gerne zurückweist. Keine Frage – ein tolles Boot! Allerdings hatte ich keine Chance alleine diese unglaublich stramme Spritzdecke draufzuziehen!

Finkenmeister

Nachdem wir fertig waren und zu einem Vesper zum Clubhüttli zurückgekehrt waren fahren Siggi im Burn, Steve sowie Heinz und ich die Strecke nochmal. Beim ersten mal als ich das Heideweidli im Delirious gefahren war lief alles super locker, ich mußte nirgends kämpfen – deshalb bin ich verblüfft warum ich beim zweiten Mal im Nomad irgendwie schlechter ausssehe. Im Nachhinein wird mir dann klar warum: ich habe mir mit dem Delirious eine Technik angewöhnt manche größere Wellenschultern aufgekantet in einem Winkel Richtung Offseite zu durchschneiden und mich mit dem Paddel bachabwärts “durchzuziehen”. Diese Technik funktioniert im Delirious dank des geringen Volumens in der Spitze super, aufgekantet schneidet sich der Bug problemlos durch die Welle. Im Nomad funktioniert aber diese Technik nicht denn die voluminöse Front wird von der Welle mitgenommen und man findet sich auf einmal ganz quer und muß mächtig Anstrengungen unternehmen um wieder auf Kurs zu kommen. Im Nomad muß ich eher umgekehrt arbeiten und den Bug vorher leicht onseitig ausrichten um dann mit einem kräftigen Vorwärtsschlag gerade oder nur leicht winklig über die Welle drüber zu gehen. Abend gibts dann für alle ein superleckeres Fondue gesponsort by KANUmagazin – Danke dafür ! Es wurde ein sehr netter Abend.

Sonntag 20.Juni > Obere Simme
Die ganze Meute geht an die Saane. Da diese aber für Arno zu schwer ist und da wir zudem frühzeitig zurückfahren wollten gehen Harald, Arno und ich nicht mit und fahren stattdessen mit Jo den oberen leichten Abschnitt der Simme bis zum Clubhüttli.
Wir scheuchen Arno durch alle der vielen Offside-Kehrwässer und erfinden nebenbei den “OOK” – den Koeffizienten für das Verhältnis von Onside zu Offside-Kehrwässern eines Baches der sich natürlich aufteilt in OOK/R und OOK/L je nach Paddelseitenpräferenz. Ich fahre an diesem Tag den Esquif Zoom von Matt Probe. Nach kurzer Eingewöhnungszeit habe ich unwahrscheinlich viel Spass mit diesem Boot. Vor allem beeindruckte mich wie schnell der Zoom ist – obwohl man das bei der geringen Länge eigentlich garnicht von ihm erwartet. Auch die definierten Kanten machen sehr viel Spass, da steckt wirklich Dynamik in diesem Boot. Würde ich mir momentan ein offenes Boot kaufen können – dann wärs ein Zoom !
Fazit: Es waren vier unheimlich anregende Tage, supernette C-paddler aus ganz Europa, eine tolle familiäre Stimmung . Ich habe viel viel Spass gehabt – und mal wieder eine ganze Menge gelernt.
Obere Simme

Antwort hinterlassen

Du musst eingelogged sein um ein Kommentar abzugeben

Panorama Theme by Themocracy