Korsika 2015 crazy shit man ! – oder was haben wir gelacht…

Von fez, 14. April 2015 12:02

Diese Jahr waren wir zu dritt in Korsika. Ralph, Claudius und ich. Die beiden kannten sich vor dem Urlaub noch nicht, aber wie ich schon erwartet hatte stimmte die Chemie auf Anhieb. Es waren so lustige und nette Tage mit euch!  Von 7 Tagen auf der Insel sind die beiden 7 gepaddelt, ich nur 6, nach der Calasima benötigte ich einen Tag Pause.

Ich hatte zwar meine Spiegelreflexkamera dabei aber nie auf dem Bach mit, das Boot war so schon schwer genug. Zudem ist das fotografieren mit der Brusttaschenkamera so unglaublich viel einfacher. Das Ergebnis ist natürlich nicht gleichwertig. Ralph und ich waren beide mit einer Lumix unterwegs, ich habe nicht gekennzeichnet welche Bilder von wem sind.

Großes Kino auf dem Asco

a Milano abbiamo bevuto sotto arco un buon caffé


Tag 1, Asco 80 cm: Wunderhübsches Warmpaddeln

Mein zweiter Paddeltag 2015, der erste auf Korsika. Wir gehen bei Niedrigwasser auf den Asco. Das wunderschöne Granittal begeistert wieder komplett. Das Wetter ist erstklassig – was will man mehr? Wir paddeln ab dem “Fuchsloch”, einem großen Felsen mit Siphon bis zur Straßenbrücke am Schluchtausgang. Nach dem kompletten Asco stand uns heute zum Einpaddeln nicht der Sinn.

Die “Güllespritze” hat sich seit meiner letzten Paddelei hier verändert, ich habe das Gefühl das Loch links sieht ungemütlicher aus mittlerweile. Ein enges verblocktes Stück an dem sich der Bach teilt fährt sich heute etwas bongo-bongo, aber alles in allem ein wunderhübscher Bach.

Hier sehen wir den “Ralph signature move” in Perfektion! Der Schaft-Oberarm muss dabei laut Lehrbuch parallel zum Griff-Unterarm stehen, der Griff-Unterarm zu Griff-Oberarm einen rechten Winkel bilden. Der Schaftarm ist gaanz leicht gebeugt.

Güllespritze offside

hau ruck!

An der Hüpfstufe vergnügen wir uns ein Weilchen, sie hat heute kaum Druck


Tag 2, Oberer Golo: Traumbach bei steigendem Wasserstand, am Anfang ca. 110 cm, zum Ende hin ca. 130 cm.

Wir kommen nach gemütlichem Frühstück auf unserem idyllischen Zeltplatz an- und für sich recht früh auf die Straße um zeitig auf den oberen Golo zu kommen. Leider aber erinnern sich Ralph und ich nicht an den Einstieg zum “Unteren Oberen”. So suchen wir ewig, fahren auf und ab, stolpern stundenlang durch kuhverkacktes dornenbestrüpptes Gelände.
Bis wir das kleine Brücklein welches den UO markiert finden dauert es also seine Zeit. Wir setzten unterhalb der Doppelstufe ein, Claudius wäre sie gerne gefahren aber uns ist die rückläufige druckvolle Stufenkombi zu heiss. Der Golo lässt uns mal wieder schwelgen, ein Traumbach.

Sierra Nevada ? Nein, Hochtal des oberen Golos.

Der Golo ist ein Traum

Sonne / grünes Wasser / Kiefern

Am Ende eines verwinkelten Katarakts

Grundgesteinswunderland

Einfahrt in den Froschlkanal

Ausgang des Froschlkanals

S-Turn

Diese Traumkombi besteht aus einem Drop ums Eck in einen Felskanal, danach über eine Rutsche auf ein bissiges Wälzchen das sich aber super absichern lässt. Claudius legt sauber vor, prima gedroppt, Anfahrt auf das Prallpolster leicht rechts des Hahnekamms auf der Rutsche, das Prallpolster schiebt ihn nach rechts auf den Felsen – wunderbare Linie!

Anfahrt aufs Wälzchen / Prallpolster

Glücklich ist hier wer eine Pumpe (egal ob mechanisch oder elektrisch) im Boot hat um nicht aufgefüllt runter zu müssen. Auch Ralph booft wunderbar, der Weg durchs Prallpolster klappt nicht so ganz, er muß im knochigen rechten Teil aussteigen und klettert rechts raus. So kann er mich auch gleich sichern…

Nach dem letztjährigen “Nullwasserboof” verhaue ich diesen diese Jahr komplett und trudle mehr seitwärts runter was in einem Schwimm endet. Ich komme im Kehrwasser vor der Rutsche raus, sortiere mich und wähle für die Rutsche und Prallpolster eine andere Strategie: aus dem Kehrwasser links kommend schräg über den Hahnenkamm in den knochigen rechten Abschnitt boofen.

Ey Burschi, setz` besser einen übergriffenen Vorwärtsschlag !

so hatte ich mir das nicht gedacht

ich kann garnicht genug von diesem Anblick bekommen

Es geht Richtung Abschlußklamm

Die Stufe in die Abschlußklamm berutscht man über die Rutsche rechts. Wer das nicht tut bekommt es mit einem fiesen langen Rücklauf zu tun bei dem die Bergung eine Schwimmers nicht einfach ist. Die Rutsche jedenfalls fährt Claudius gleich mal rückwärts da es ihn im Kehrwasser drüber dreht. Uns steht der Mund offen! Ralph schraddelt prima bis ganz unten runter, ich kippe zu früh ab in Richtung unterer Rücklauf , komme dann aber recht gut raus.

Sauber sog I - Claudius berutscht rückwärts...

Aus der Schlucht rausgekommen passiert man die Mündung der Calasima. Claudius sprintet später auch noch geschwind hoch und schaut in die letzten Meter der Calasima-Schlucht rein, was er erzählt hört sich toll an. Ein Plan ist geboren…!

Den Abschlußkatarakt nach der Klamm unter der Straßenbrücke umtragen wir, er ist nun bei 130 cm recht kraftvoll aber die Einfahrt hat sich aber im Vergleich zu letztem Jahr ungut verändert. Nach der Einfahrt käme noch eine haarige Seilfähre über einem Kanal der recht schmal und klemmgefährlich aussieht. Das wollen wir uns nicht geben. Wir sehen hier die letzten Meter der Calasima,

Tag 3, Solenzara 85 cm: Niedrigstwasser vor beeindruckender Kulisse

Wir nehmen heute die lange Anfahrt zum Fium Orbo unter die Räder. Doch schon beim Blick von der Straße in den Oberen Fium Orbo meint Claudius dass das recht gut eingeschenkt ausschaue… Das bewahrheitet sich dann leider – der Fium Orbo ist heute voll mit Schmelzwasser und ausserhalb unserer Möglichkeiten. Aphrrodite, eine der Kernstellen, bot letztes Jahr ein kleines Prallpolster vor einem Felsriegel. Heute baut sich davor aus der Ferne gesehen ein beeindruckendes Monster von Prallpolster auf, das man, wie wir später erfahren, angeblich nach links überqueren muß. Wir lehnen dankend ab und fahren weiter zur Solenzara.

Fium Orbo, gut mit Schmelzwasser eingeschenkt

Die Solenzara hat praktisch nie Wasser und unsere Hoffnung ist dass von den dort  niedrigeren Bergen trotzdem noch genügend Schnee und Schmelzwasser übrig bleibt. Dem ist aber nicht so.

Die Solenzara bietet wunderbar klares Wasser, keine große Schwierigkeiten, tolle Ausblicke auf Granitfelsen (wie an der Murg! Ralph kann das nicht mehr hören! dauernd dieses “Das sieht aus wie an der Murg”, “wie an der Murg nur mehr Wasser” , das nervt ey!)  und interessante geologische Veränderungen des Gesteins je weiter man in Richtung Meer kommt. Man könnte die Solenzara bis ins Meer befahren, wir hören aber vielleicht 800 m vor einem Hafen auf.

hier mal fahrbar, Blick auf den Bavellapass

Team CRAZY SHIT MAN! lässt sich beim bespilkern nicht die Butter vom Brot nehmen!

Solches Wasser habe ich noch nicht gesehen. Tief unten liegen riesige Granitmurmeln.

Tag 4, Unterer Asco bei 105 cm

Heute wird ein Knallertag, wir paddeln wieder den Asco ab Fuchsloch bis Straßenbrücke, diesmal aber bei 105 cm – ein super schöner Wasserstand. Schön Druck, aber nicht so dass man sich fürchten müsste. Für mich einer der schönsten Paddeltage meines Lebens. Ich jauchze vor Glück. Blaugrünes Wasser, druckvolle Stromzungen – ein Heidenspass!

Druckvoller Start

ungemütliches Loch links

Die Güllespritze geht heute direkt.

Boofstüfchen - immer wieder hauen sich Claudius und Ralph runter.

Großes Kino auf dem Asco

Tag 5, Calasima 120 – 110-120 cm cm:

Calasima bedeutet “Himmel und Hölle”

Claudius aka Mr. 100.000 Volt, hatte die Idee die Calasima zu paddeln aufgebracht. Was wir darüber lesen hört sich zwar grenzwertig schwer für uns an, andererseits wächst man an seinen Aufgaben und auch Ralph und mich reizt die Idee noch eine Grundgesteinsschlucht a la oberer Golo zu erkunden! Nach reiflicher Abwägung wollen wir`s wagen. Im etwas seltsamen Bericht den Ralph in seiner Sammlung hat steht dass man am Einstieg wenig Wasser haben sollte damit es später dann fahrbar bliebe. Claudius zeichnet noch die topographische Karte ab, ich präge mir ein welche charakteristischen Stellen aus der Beschreibung welchen Abschnitt der Tour kennzeichnen. Als wir die relativ umständliche Umsetzerei hinter uns haben und einsteigen ist es ca. 12.00 Uhr. Wir sind gespannt was uns erwartet, heute wird ein echtes Abenteuer.  Der Bach baut mächtig Höhe ab, das sehen wir beim umsetzen.

Wir paddeln los und es ist ein grauenhaftes Geschrabbel auf einem steilen Felsenacker. Noch nehmen wir das als gutes Zeichen. Leider kommen wir durch die Schrubberei ziemlich langsam vorwärts.

Endloses Geschraddel

Wir umtragen ein altes Wehr und irgendwann kommen wir zu einem Kanal welcher sich sauber eingräbt. Claudius legt, wie schon so oft, die Linie vor.

Der Einstieg in den Kanal

Claudius im S des Kanals

Konzentriert ums Eck, Claudius ist hochgeklettert und sichert

Einfahrt in den Kanal

Kann ja mal passieren...

Ausgang des Kanals

Rutsche nach dem Kanal

Es folgen noch viele viele senkrechte Äcker, dann eine weite Umtrage um eine unfahrbare Stelle.

einer der ca. 100 Katarakt-Äcker. Eine Linie ist reiner Zufall. Grausam.

Wir sind sehr sehr langsam. Nach einigen schweren Stellen von den Claudius manche fährt aber wie wir auch viele umträgt – einfach weil die Landung oder die Anfahrt viel zu steinig sind und eine gesunde Befahrung reine Glückssache wären kommen wir an eine Stelle bei ein Wanderweg die Schlucht kreuzt. Das wäre die letzte Stelle um zu kneife. Wir haben uns als Plan B überlegt hier falls notwendig die Boote liegen zu lassen und am nächsten Tag wieder zu kommen um die Tour zu vollenden.

Umtragung der unfahrbaren Stelle

Es ist 18.00 Abends. Ich bin wegen der vielen vielen Umtragen schon relativ müde aber noch geht es. Mein Boot ist einfach zu schwer, ich verfluche es! Mir tut schon ganz schön der Rücken weh… Nun ist guter Rat teuer, was tun? Es wird spät und knapp so viel ist klar. Leider wissen wir überhaupt nicht wie weit es noch ist und ob der Rest der Strecke sauberer ist. Wir hoffen dass es nicht mehr allzu weit ist und dass wir zur Not immer noch rauskraxeln können und entschliessen uns dazu weiter zu paddeln.

Nach einigen 100 m kommen wir zu den Kaskaden. Ein Wahnsinns-Stück Fels !!

Die Linie ist recht klar und sieht machbar aus, allzu viel Wasser hat es auch nicht. Allerdings sieht es so aus wie wenn man danach nicht mehr aus der Schlucht herauskommen könnte – also spätestens ab hier müssen wir bis zum Einbruch der Dunkelheit durchkommen… Claudius hat zwar eine Stirnlampe dabei aber die bringt 3 Open Canoes im 4-5er-Gelände auch nicht mehr viel wenn es Nacht ist.

Claudius legt im Licht der letzten Sonnenstrahlen wieder die Linie vor. Ich sichere die dritte Stufe. Die 4.Stufe dann ist auch nochmal interessant aber kann nicht gesichert werden, Zwangspassage.

Claudius droppt die erste Stufe, kein Problem, die Anfahrt ist narrensicher. Danach pumpt er mit seiner mechanischen Pumpe sein boot ein wenig leerer und weiter gehts. Im Kehrwasser nach der dritten Stufe steigt er aus und sichert dort. Ich paddle, danach Ralph.

3. Stufe

Quäl Dich Du Sau !

Es wird schon düster, wir schauen dass wir weiter kommen. Ich bin leider wegen der dauernden Umtragereien fix- und foxi und bringe nichts mehr auf die Reihe. Nach zwei Schwimmern wird das auch nicht mehr besser. Und so kämpfe ich echt.

Total kaputt kommen wir bei Einbruch der Dunkelheit an der Mündung in den Golo an. Den Abschlußkatarkt sparen wir uns natürlich.


Ich überlege mir nachher auf der Fahrt ob das heute der Stil ist den ich mag und muß das verneinen. Der Bach war an seinen schönen Stellen zwar toll – aber es gab zu viele Umtragen entweder wegen Niedrigwassers oder (zu ?) hoher Schwierigkeiten. Ich denke nicht dass diese Stellen bei mehr Wasser drin gewesen wären, zumindest wären einige brutal knochige Katarakte besser fahrbar gewesen. Also wenn nochmal auf einen so langen schweren Bach dann Einstieg morgens um 7 Uhr wie bei einer alpinen Bergtour und bei genügend Wasser.

Tag 6 Claudius und Ralph paddeln den Golo bei richtig viel Wasser vom Elektriziätätswerk wo das Wasser in den Bach zurückkommt bis zum Zeltplatz Campita
Ich fahre sie hoch und mache mir dann gemütliche 1,5 h in der Sonne am Bach denn viel länger benötigen die Beiden nicht da der Golo heute gut Wasser hat.

Am Abend bevor ich koche sprinten Claudius und ich noch auf den Hausberg unseres Zeltplatzes Campita und schauen den Sonnenuntergang an.

Tag 7: Wuchtwasser auf dem Tavigniano, 170 cm

Als wir die Fischtreppe runter treideln fällt uns noch nichts auf, aber dann auf dem Bach – Holla! Wir sind voll beschäftigt, Claudius stützt was das Zeug hält, die Pumpen kommen zum Einsatz in den wenigen Kehrwässern. Claudius “bläst” – aus der Ferne sieht es mit seiner mechanischen Pumpe immer so aus wie wenn ein Wal blasen würde… Absoluter Knaller ist die Schätzung von Ralph Jetzt kommt nichts schwieriges mehr. Danach kommts aber ganz dicke. Vor einer Schluchtverengung machen wir den fehler in ein großes Kehrwasser links zu ziehen, wären wir besser geradeaus gepaddelt. Aus dem Kehrwasser raus die hier notwendige Seilfähre über den Fluss zu paddeln ist nämlich praktisch unmöglich, es drückt einfach zu stark.  Einmal Schwimmer für mich bitte….

Claudius und ich fahren Sonntag wieder nach Hause

Ralph geht noch ein zwei Tage ans Meer

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