“Murgtalurlaub”

Von fez, 2. Juni 2013 10:26

Ralph und ich haben uns 2011 auf der Korsika-Tour mit Joe kennengelernt. Als wir uns nun auf der Armada im Simmetal wieder treffen, finden wir dass die Zeit reif ist mal ein bisschen mehr gemeinsam zu paddeln! Die Gelegenheit bietet sich recht schnell zwei Wochen später an Fronleichnam, Regen ist vorhergesagt und Regen bekommen wir und zwar massivst!

die grüne Hölle des Hundsbachs

Samstag: Ralph kommt mit seinem altersschwachen Transit aus Köln getuckert und wir fahren ins Murgtal. Für Ralph ist das der erste Besuch an der Murg und so bin ich natürlich begeistert ihm durch die erwartbar hohen Wasserstände auch die versteckten Perlen des Murgtals zeigen zu können.

Wir schauen in die Mittlere welche recht viel Wasser hat, aber mir, da wir nur zu zweit und weit und breit keine anderen Paddler zu sehen sind, zu riskant ist. Eine gute Entscheidung wie wir dann Samstag sehen. Aber es gibt ja noch jede Menge Ausweichbäche im Murgtal, wir fahren hoch zum Hundsbach. Der Wasserstand ist perfekt, recht viel, wie man an der Brücke nach dem Stauseelein gut abschätzen kann. Der Hundsbach ist heute ein Traum, Schwarzwald pur, die Luft duftet nach Tannenharz, der Wald ist grün, grün, grün – könnte genausogut in Kanada sein meint Ralph der dort zwei Jahre gelebt hat.

Der Hundsbach hat einen interessanten Charakter, flachere Abschnitte wechseln sich relativ unvermittelt ab mit kleineren und größeren kurzen Abfällen ab. Das ist zwar bei vielen Bächen so, natürlich – aber hier ist es irgendwie anders.

So gehts auch

Wir steigen oft aus da es viele nicht einsehbare Kurven und Abfälle gibt, aber alles bleibt fair.

Der Hundsbach rauscht fröhlich durch und macht super Spass.

Kleinere Stufen, Granitfindlinge, hübsche Kehrwässer, keine Verholzung, was will man mehr?

Als wir mit dem Hundsbach fertig sind ist es 17.00 aber unglaublich düster, man hat das Gefühl dass schon die Dämmerung hereingebrochen sei. Wir überlegen uns noch die Mittlere bis zur Raumünzachbrücke anzuhängen falls das Wasser gefallen ist. Und so ist es, beim Blick in die Mittlere von der Brücke auf meinen Hilfspegel, die 3 Haifischzähne, zeigt sich dass diese nicht mehr massiv überspült sind sondern nur noch angespült. Also paddeln wir noch die Mittlere, Bilder gibts davon keine, wir rauschen ziemlich durch. Ein Paddelfest! Die Mittlere hat vielleicht 15 m³ und macht uns wahnsinnig viel Spass. Ralph ist begeistert.

Samstag: Die Pegel sind ganz oben. Wir treffen uns an der Raumünzachmündung mit Volker, dann schauen uns wir erst mal die Raumünzach an, Volker spekuliert wie ich auch schon lange darauf. Dass heute aber kein guter Wasserstand zum Kennenlernen ist zeigt sich schon an deren Einmündung in die Murg, es ist rasend viel Wasser drin. Es schüttet wie aus Kübeln, wir sind beim Besichtigen nach kurzer Zeit bis auf die Unterwäsche pitschnass. Im oberen Teil treffen wir eine Partie welche aufgibt. Die Raumünzach ist ziemlich verholzt und brodelt kehrwasserlos durch so dass jeder dem sein Leben lieb ist, hier lieber nicht einsteigt.

Also paddeln wir die Mittlere, wieder bis zur Einmündung der Raumünzach, diese bringt unglaublich viel Wasser mit, bestimmt 20m³ oder mehr, so dass uns das Hemd sauber bleibt und wir sicher nicht weiterpaddeln!

Gleich im ersten Katarakt wird klar – huch das drückt aber schon ganz anders als gestern! Während wir paddeln haben wir das Gefühl dass der Wasserstand weiter steigt, es drückt irgendwie immer mehr.

Ralph schwimmt einmal vor der ersten Brücke. Er ist aber gleich draussen und unter der Brücke ist ja ein riesiges Kehrwasser. Der lange Katarakt nach der Brücke bei welchem man sich bei weniger Wasser vom Stromzug eher nach rechts drücken lässt ist auf ganzer Breite fahrbar. Wir orientieren uns hier auch eher nach links um die großen Löcher rechts zu vermeiden.

Diese Stelle hier fällt normalerweise garnicht so rasend auf, jetzt drückt es saftig durch. Wir wollen über die rechte Schulter fahren aber das ist nicht so einfach da alles Wasser nach innen drückt.

hoppla

knapp dran vorbeigeschippert gottseidank

Bei der nächsten schwierigeren Stelle schwimme nun ich. Man paddelt knapp links eines großen Felsens eine Zunge runter und danach ist es eigentlich gegessen. Jetzt ist da aber nichts gegessen sondern geht ziemlich chaotisch weiter. Eine fiese kleine Schrägwalze wirft mich um. Gefühlte 10 Sekunden balanciere ich auf der Kippe offseitig herum – immer wieder klasse diese Momente oder? – bis ich dann reingehe. Ich verhaue die Rolle, halb hochgekommen sehe ich dass der nächste Katarakt es ziemlich eilig hat auf mich zuzukommen so dass ich lieber die Reißleine ziehe. Danach kommen keine größeren Schwierigkeiten mehr, Wuchtwasserspass bis zum baldigen Ausstieg vor der Raumünzachmündung.

Irgend etwas möchten wir noch machen, es sind noch Kräfte da! Volki schlägt vor den Einfluß der Murg in den Stau bei Kirschbaumwasen zu paddeln. Eigentlich können wir da auch gleich noch die Schönmünz und den Langenbach davorhängen…

Ralph ist begeistert von Langenbach/Schönmünz. Es ist wirklich schön Wasser drin, das ist kein Pillepalle hier, hier muß man richtig paddeln! Der krönende Abschluß, die letzten 300 m in den Stausee, sind dann der Hammer. Fett Wasser, deftige Walzen und Löcher. Ich schaffe es mit vollem Boot zumindest um das Gröbste rumzukommen aber Ralph haut sich, ebenfalls natürlich mit vollem Boot, mitten durch den größten Koffer – aber wird durchgespült. Ich bin PLATT ohne Ende und schaffe es kaum noch das Boot zurück zum Parkplätzchen zu tragen.

Da die Aussichten für Sonntag nicht ganz klar sind – reicht das Wasser für die Mittlere bei schönem Wetter noch oder nicht? – fährt Ralph nach dem Abendessen bei uns nach Hause. Dein Bauchgefühl hat Dich nicht getrogen, die Mittlere ist Sonntag trocken. Auf die Untere bei Hammerwuchtwasser habe ich auch keine Lust, ausserdem ich bin dermaßen platt und die zwei vergangenen Tage war großes Programm so dass ich ohne Reue zu Hause bleiben und diesen Bericht hier schreibe kann ;-)

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