Weihnachten 2012: Expeditionen im Nord-Schwarzwälder Hinterland II

Von fez, 24. Dezember 2012 15:25

Als besonderes Weihnachtsgeschenk gibt es am 23. Hochwasser und warme Temperaturen – Zeit um endlich ein weiteres prominentes Ziel auf der Liste der Nordschwarzwälder Hinterlandbäche anzusteuern. Der obere Hundsbach stellt sich als wunderhübscher Bach heraus und bietet damit ein prima Ausweichziel bei extremem Hochwasser auf der Murg. Ein Bach der eindeutig nicht auf der Liste “kann-man-mal gemacht-haben-muß-aber-kein-zweites-Mal-sein” landet.

Aus der Serie "wie macht man aus einer einfachen Stelle doch noch etwas spektakuläres"

Im Hundsbach habe ich schon als Kind gerne gespielt, der Turnverein Hilpertsau (im Murgtal) hat neben dem Bach ganz oben ein Vereinsheim und hier war ich als Kind oft. Als ich mit paddeln anfing kam neben der Murg natürlich bald der Hundsbach auf den Radar denn der untere Teil (Raumünzach genannt) ist laut Haas und DKV mit der schwierigste Bach des Nordschwarzwaldes.

Als nun am 23.12. Hochwasser war hatten wir nur wenig Hoffnung die Raumünzach bei für uns notwendigem Niedrigwasserstand anzutreffen. Wir trafen uns mit Claudius und Rainer um zumindest mal rein zu schauen und dann entweder den Hundsbach bis zum Einstieg in die Raumünzach oder aber die Rotmurg zu paddeln.

Hundsbach

Wir paddelten heute also bei frühlingshaften Temperaturen den Hundsbach, der im DKV-Führer so beschrieben wird: Waldschlucht mit schöner Verblockung und gelegentlichen Abfällen, WW II und IV. Das trifft den Nagel auf den Kopf. Der Referenzpegel Schönmünz steht bei ca. 110 cm.

Wir starten im abgelegenen Ort Hundsbach kurz oberhalb der Stelle wo sich der Oberlauf des Hundsbaches mit der Biberach welche aus einem Seitental kommt vereinigt.

Hundsbach ist eine ehemalige “Waldkolonie” welche nach dem 30-jährigen Krieg um 1745 für den Holzschlag mitten in die Einöde gebaut wurde: Hundsbach und Biberach liegen in ganz dichten Wäldern und unkultivierten Bergen: Neuerdings hatte sich dort eine Kolonie von Holzhauern die auch Harz und Holzkohle bereiteten , angesiedelt; ohne Hirte irrten sie in den wilden Wäldern herum und verwilderten so allmählich auch in ihren Sitten.

Ganz so schlimm war bei uns nicht, Bernhards Sitten sind zwar tatsächlich ziemlich verwildert aber immerhin fanden wir auch ohne Hirte den Einstieg problemlos. Wir starten bei ziemlich wenig Wasser und geniessen bezauberndes Schwarzwaldambiente, duftenden Tannenwald, große Granitfindlinge, klares typisch Schwarzwald-Hochmoor-rötlichem Wasser welches hauptsächlich von der Hornisgrinde kommt. Der Hundsbach paddelt sich wie beschrieben, leichte Abschnitte wechseln abrupt mit schwereren Stufen. Die Biberach bringt leider nicht viel Wasser dazu, Spaß hat es trotzdem gemacht. Vielen Dank an Rainer und Claudius für die Bilder:

nicht ganz wie geplant…
Marcus, wie immer sehr nett mit dir zu paddeln!
Aus der Serie “wie macht man aus einer einfachen Stelle doch noch etwas spektakuläres”
“die Stelle” optimal zum Wasser tanken…
Bernhard und Claudius

Es war mir eine große Freude den Hundsbach mit euch zu paddeln.

Hochwasser

Schon beim Blick in die Murg bei der Einmündung der Raumünzach war klar – das ist heute echt eine heftige Nummer. Die Murg war dermaßen fett, einfach brutal. Es stank wie Sau und das Wasser war braun und trug unwahrscheinlich viel Sediment mit sich – wie wir später von 2 Männern der ENBW erfuhren wird das Hochwasser auch dazu genutzt die Stauseen freizuspülen, die Schütze am Stau Kirschbaumwasen waren offen:

Es war klar die Raumünzach hat bei weitem zu viel Wasser für uns, hier der untere schwerste Teil, eine ca. 700 m lange Schlüsselpassage welche am Steinbruch vorbeiführt:

Auch die faszinierende Rutschen- und Stufenkomination weiter oben war für uns bei diesem Wasserstand WEIT außerhalb unserer Möglichkeiten:

Diese Passage wird auch bei Niedrigwasser nicht fahrbar sein, ein echter Mist das:

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