Allegria heisst Freude

Von fez, 12. Juli 2011 22:17

In der Sonne fläzen, Kaffee trinken, Aprikosenmarmelade frühstücken, nebenan rauscht der Bach – was will man mehr?

Seit mir Angus erzählte dass er auf seiner Europatour jedes Jahr für längere Zeit an die Sesia geht war mir klar dass die Sesia etwas besonderes sein muß und erklärtes Traumziel.

Auch für Dani und Phillipe ( die ich im Sommer zuvor an der Soca kennengelernt habe)  ist die Sesia “magic” – und das Wasser daraus heilig.


Und so treffen ich mich an einem langen Wochenende Ende Juni mit Dani und Philippe an der Sesia. Die beiden sind Frühjahrs-Residents im Valle die Sesia, von Ende April bis End Juni sind sie jedes Wochenende an der Sesia, Phillippe schläft im Zelt , Dani im Auto. Bessere Locals kann man sich wohl nicht wünschen, die beiden wisssen wohl alles was es über die Sesia zu wissen gibt und sind noch dazu unwahrscheinlich nett und lustig. Beste Voraussetzungen für ein gelungenes langes Wochenende also.

Die Sesia entwässert auf der Alpensüdseite in Italien,  ca. 200 km von Mailand entfernt, das Monte-Rosa-Massiv. An der Sesia selbst ist auch für den Dritt-/ Viertgradisten noch was zu reissen, die anderen bekannten Bäche welche in die Sesia fliessen fordern durchgängig mehr. Artogna, Sorba, Egua und Sermenza sind klingende Namen und faszinierende Bäche, es gibt noch viel zu tun…

Ich habe nach vielen privaten Turbulenzen Ende Juni endlich die Möglichkeit erstmals hin zu fahren. Dani und Phillipe sind das letzte Wochenende vor Ort, ab Ende Juni wird der Wasserstand zu niedrig, im Hochsommer geht nur noch ein Teilabschnitt, die Sesiaschlucht welche Minimalwasser benötigt.

Die Regenwahrscheinlichkeit an unserem langen Wochenende liegt bei 1% deshalb kommen meine Damen kurzentschlossen mit.Es ist heiss, heiss, heiss! Der Wasserstand wäre 4- 5 Tage vorher besser gewesen, aber man kann nicht alles haben.

Wir starten abends, fahren in der Nacht bis zur letzten Raststätte vor der Abfahrt ins Sesiatal wo wir in unserem Wohnwägelchen schlafen. Morgens fahren wir ab hier nochmal ca. 1,5 h. Der Blick auf das hoch aufragende Massiv der Monte-Rosa ist gigantisch.

Unser Zeltplatz ist eine Wucht, gleich neben der Sesia. Das Tal ist unwahrscheinlich schön und grün. Dieses Häuschen ca. 50 m von der Sesia entfernt werde ich wohl oder übel kaufen müssen:

Das ist der Gumpen der Artogna, ca, 300 m vom Zeltplatz entfernt. Wie mir Dani erzählt war die Obere Artogna war Schauplatz einer ziemlich spektakulären Erstbefahrung vor wenigen Jahren: Obere Artogna

Der Zeltplatz-Katarakt:

Meine Damen fühlen sich auch wohl, für Beschäftigung ist gesorgt (baden unter der Brücke von Campertogno):

Paddeltagebuch, 24.06., 12. Paddeltag 2011:

Untere Sesia. Balmuccia (unterhalb des Balmuccia-Katarakts) bis Vocca mit Dani und Philo. Wunderschöner Bach mit interessanten Einzelstellen. Niedrigwasser, Pegel Campertogno 60 cm.

Da wir uns verfehlen starten wir erst ziemlich spät abends zum paddeln. Das ist aber vielleicht ganz gut so denn es wird eine unwahrscheinlich schöne Fahrt im satten Abendlicht. Wir paddeln die Untere Sesia. Dieser Abschnitt startet unterhalb des langen Balmuccia-Katarakts welcher 4+ ist und ziemlich giftig aussieht. Das möchte ich mir für den Anfang ganz bestimmt nicht reintun, zudem hätte es auch nicht zum oberrelaxten Stimmung des Abends gepasst.

Balmuccia-Katarakt: Erste fette Schrägwalze a la Schlitz am Glenner – am Ende eines langen und ziemlich turbulenten Katarakts.

Zweiter Stopper, gleiches Kaliber, ca. 10 m nach dem ersten:

Wir starten hier, glasklares blaues Wasser, Granitfels.

Die Sesia zeigt im unteren Teil Einzelstellen um den dritten Grad in welchen man mal ein paar Meter am Löffel ziehen muß und die bei Niedrigwasser teilweise ein wenig steckgefährlich sind unterbrochen von längeren ruhigen oder spritzigen aber einfachen Abschnitten -  immer sehr spassig und leicht verblockt.:

Philo im Abendlicht.

Das Wasser fliesst kompakt und schwer wie Blei / Die Welt verschwindet, es gibt nur den Bach und uns.

Paddeltagebuch, 25.06., 13. Paddeltag 2011:

Mittlere Sesia, Unterhalb des der Schlucht nach dem Mollia-Fall bis Piode. Dani und Philo. Umtragung Quare-Katarakt und Syphon. Unglaublich schöner Bach. Ziemlich wenig Wasser, 60 cm Campertogno.

Der (ausgeschilderte) Einstieg ist unterhalb einer Schluchtstrecke unterhalb des gefährlichen und schweren Mollia-Falls. In die Schluchtstrecke ist superschwer reinzukommen, na ja, kann mir ja egal sein, ist eh eine vollkommen andere Liga…

Mollia-Fall:

Die folgende Schluchtstrecke:

Wir starten ab diesem Gumpen, diese wunderschöne Stufe hätte man noch mitnehmen können, hab ich aber nicht gemacht da anfangs nicht so richtig sattelfest gefühlt:

Gestern paddelte ich im Taureau, heute setze ich mich seit langem mal wider in den Remix. Die erste viertel Stunde wird ein gräßliches Geeiere, ich tue mich echt schwer mit der Umstellung von der super drehenden Tante T. auf den im Vergleich dazu doch eher unwillig drehende Remix.  Da ich mich anfangs etwas unsicher bewege umtrage ich den holprigen und seltsamen ersten Katarakt nach dem Start auch mal gleich:

Die mittlere Sesia verlangt gleich mehr von einem, es kommt an- und für sich Katarakt auf Katarakt. Bei dem Niedrigwasserstand finde ich manche Stellen recht unangenehm da ich es oft nicht schaffe rechtzeitig von den oft nur überronnenen Brocken wegzukommen und halb drüberrumple. Trotzdem ist die Sesia ein Genuß.

Zu Demonstrationszwecken paddle ich ein falsche Linie, hüstl:

Nach einigen Katarakten kommen wir an eine Stelle an welcher die Sesia durch Rohre geleitet wird.

Rechtzeitig anlanden. Lebensgefahr!

Danach folgt der fantastische Katarakt von Campertogno,
zuerst der Einstiegskatarakt dann der eigentliche Hauptkatarakt, ein unheimlich starker Bachabschnitt der unter der mittelalterlichen Bogenbrücke endet:

It`s wonderful!

Via, via, vieni via di qui
niente più ti lega a questi luoghi
neanche questi fiori azzurri…
via, via, neache questo tempo grigio
pieno di musiche e di uomini che ti son piaciuti

Away, away, get away with me
Nothing more binds you to these places
Not even these blue flowers
Let’s get away, let’s get away, not even this grey time
Full of musics and people that you liked

Nach diesem Katarakt folgt der Zeltplatz-Katarakt in welchem ich kurz schwimme.
Bekanntes Problem, wenig Wasser, sauviele Blöcke, irgendwann geht die Übersicht verloren und ich hänge erst vor einem Felsen und landedanach quer in der anschliessenden Walze… Da das Gelände nicht gerade zum rollen einlädt steige ich aus und bin schnell am Ufer.

Bald danach kommt Moby Dick – auch ein sehr schöner Abschnitt bei dem eine riesige Granitplatte im Bach liegt.

Katarakt folgt auf Katarakt, dann bei Quare eine schwitzige Umtrageaktion dieses ultrafiesen 6er-Syphon-Abschnittes:

Es folgt weiterhin Katarakt auf Katarakt bis wir in Piode vor der nächsten Umtrage, dem Piode-Fall aussteigen.

Krönender Abschluß: Abends gehen wir mit Freunden von Dani und Philo hoch über der Sermenza in einer urigen Agritourismo.

Wer italienisches essen liebt flippt hier aus!

Ein glückliches Wochenende mit meinen Herzdamen.

Eine lange aber relaxte Anreise, eine gräßliche Rückreise und doch hat sich jede Minute Fahrerei gelohnt!

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