1. Nordic C1 Armada

Von Elch, 11. November 2008 21:21

Ljusdal5° und Nieselregen, so habe ich mir die erste C1 Armada im Hohen Norden nicht vorgestellt. Habe mich mit Reinald, der zusammen mit Anders und Curt, das Treffen initiiert und organisiert hat, schon für Donnerstagabend verabredet. Nun sitze ich Ende August im Auto in der Nähe vom Ort ‚Ljusdal’ ca. 300km nördlich von Stockholm in Mittelschweden, auf dem Platz des ‘Ljusnans kanotklubbs’, unser Quartier für die nächsten drei Tage und lausche dem beindruckenden Rauschen des Ljusnan.

Hütte

Hütte vom Ljusnan kanotklubben bei Ljusdal

Der bildet hier auf 600m Länge und 100m Breite die Edängerstromschnellen (Edängerfossen). Im Halbdunkel hatte ich nach der Ankunft nur einen groben Blick auf den Fluss werfen können, der für einen Anfänger wie mich schon für einiges Adrenalin sorgte. Als Reinald nun auch den gefährlichen Weg geschafft hat – der Weg führt mitten durch einen Golfplatz – machen wir es uns in der Hütte bequem und nach einem Abendessen erholen wir uns von der langen Anfahrt. Von Dalsland, wo ich die letzten Tagen war, waren es fast erträgliche 500km, von Deutschland wären über 1800km angefallen.

Edängerfossen

Ljusnan mit Edängerfossen

Der nächste Morgen sieht dann schon mehr nach meinem geliebten Schweden aus. Sonne und Wolken wechseln sich ab und das Thermometer zeigt 10° an, die sich noch bis auf 14° steigern sollten. Die Armada wird von Reinald und mir eröffnet da unsere fünf Mitstreiter noch Arbeiten müssen und erst heute Abend kommen können. Wir gehen den Tag gemütlich mit einem ausgiebigen Frühstück an und planen den Tag. Wir beschließen dass wir am Platz bleiben und Reinald mir den Edängerfossen zeigt. Der hat WW3 ist aber wie sich zeigt beim aktuellen Wasserstand sehr fair. Nach einer Begutachtung vom Ufer gehen wir aufs Wasser. Mein Finki, der nicht umsonst die schwedischen Nationalfarben bekommen hat, fühlt sich direkt wohl.

Reinald am Anfang der Edängerfossen

Reinald am Anfang der Edängerfossen

Wir halten uns erstmal links und hangeln uns von Kehrwasser zu Kehrwasser die aber nicht sehr zahlreich sind. Die Geräuschkulisse wie auch die für mich ungewohnte Wasserwucht macht ziemlich Eindruck, komme aber erstaunlich gut zu Recht und heil unten an. Nun konnte ich die abschließende ‘Dödsvalsen’ von nahem betrachten. Eine ca. 10m breite und vielleicht 1-1.5m hohe Walze. Als Reinald mir im Vorhinein davon erzählt hatte wundert ich mich was das besonderes sein sollte! Ein Döts ist bei uns ja was Kleines und unbedeutendes. Nun lernte ich das Död im schwedischen der Tot ist und ich hier die ‘Totes-Walze’ bezwingen soll.

Dödsvalsen (Todes-Walze)

Dödsvalsen (Todes-Walze)

Schwedische ElchschildkröteBeim aktuellen Wasserstand ist dies aber zum Glück eine leichte Übertreibung. Wir nahmen erstmal die ‚chicken route’ links vorbei. Nicht zu verachten ist aber das direkt unterhalb der Fluss sich auf 600m Breite aufweitet. Geht man in der Walze schwimmen wird man mitten hinein gespült und hat einen sehr weiten Weg bis zum Ufer. Am letzten Tag sollte ich dies zweimal am eigenen Leib feststellen. 1000m auf einem Forstweg geht es zurück zum Einstieg. Da ist mein Finki doch deutlich einfacher zu tragen als Reinalds OC1. Der sieht aus wie die bekannte schwedische Elchschildkröte. Im zweiten Run sind wir dann schon etwas mutiger, kommen aber wieder gut durch.

Nach einer Mittagspause mit Ausflug ins 5km entfernte Städtchen Ljusdal folgen dann am Nachmittag noch 2 Runs. Das Wasser wird immer vertrauter und der Spaß immer größer. Nun versuchen ich auch mal durch die Dödsvalsen zu kommen, was aber nicht wirklich gelingt. Nach dem Ausspucken ist das Rollen aber einfach. Zur Vorbereitung der nächsten Tage spannen wir dann noch ein Seil vom Ufer zum Brückenfundamet der beiden Eisenbahnbrücken die das Ende des Edängerfossen überspannen, um einfacher zum optimalen Fotostandort zu gelangen. Nun merke ich die 5 Tage Flachwasserpaddlen mit täglich gut 20km in Dalsland und habe erstmal genug für den Tag. Am späten Abend kamen dann auch noch Anders, Curt, Kristina, Hanno und Magnus. Die Hütte ist nun gemütlich voll.

Der Samstag startet wieder mit einem Sonne-Wolken-Mix und einem ausgiebigen Frühstück in großer Runde, in der der Tagesplan gemacht wurde. Da Kristina normalerweise WW im Kajak fährt aber natürlich nun OC1 fahren ‘muss’, entscheiden wir uns für eine einfache Tour auf dem Ljusnan von Laforsdammen (40 km stromaufwärts von Ljusdal) nach Hovrahällarna. 15km mit maximal WW2.

Für einen Mitteleuropa-Mittelgebirgs-Flußpaddler ein unglaubliches Erlebnis. Bei einer durchschnittlichen Flussbreite von 100m die auch mal auf fast 200m anwachsen kann und das bei einer guten Strömung.

Alle 1-2km kommen Katarakte mit kleineren Surfwellen. Das Ganze in unberührter Natur ohne Straße am Ufer. Durch die kühlen Temperaturen sind hier, wie auch die ganzen anderen Tage fast keine Mücken zu finden!

Pause am Ljusnan

In der Pause konnte ich dann den Fluss mal aus OC1 Perspektive mit Reinalds Shaman 12 erfahren. Würde ich immer solche Gewässer paddeln wäre ein OC1 für mich sicher eine Option.

Anders im Zephyr

Der Zephyr den Anders und Magnus paddelten gefiele mir zumindest optisch schon mal sehr gut.

Hovrahällarna

Abschluss bildete dann die Stufe in Hovra die bei uns recht zivil war, bei richtigem Wasserstand aber wohl einen gediegenen Playspot abgibt.

Teilnehmer der 1. Nordic C1 Armada

Teilnehmer der 1. Nordic C1 Armada

Als wir zurück sind ist es später als gedacht und wir verzichten auf die geplanten Runs auf dem Edängerfossen und kümmern uns lieber ausgiebig um das leibliche Wohl. Im Laufe des Abends wird dann auch das isotonische Kaltgetränk aus Eifler Produktion das ich mitgebracht hatte vernichtet. Alle sind glücklich und zufrieden!

Morgennebel der schnell durch die strahlende Sonne aufgelöst wird läutet den letzten Tag ein. Wir sind früh auf um nach einem schnellen Frühstück die Hütte in Ordnung zu bringen und alles einzupacken. Plan ist den Edängerfossen ein paar Mal zu paddeln und dann noch eine Flusstour auf dem Voxnan zu machen.

Curt von dem Edängerfossen

Bis auf Kristina sind alle dabei als es auf den Edängerfossen geht. Ich bin wohl noch nicht wach und verpasse beim ersten Run direkt die Einfahrt und lande in der Eingangswalze, drehe mich bis ich quer drin bin. Für ein paar Sekunden halte ich die Position. Beim Versuch seitlich rauszukommen lege ich mich aber rein. Drei Rollversuche später steige ich aus und lerne die ganze Stromschnelle aus der Schwimmerperspektive kennen. Zum Glück werde ich unten von Reinald rausgefischt und ans Ufer gebracht.

Reinald’s Versuch

Also direkt wieder die 1000m hoch zum nächsten Versuch. Der gelingt dann schon besser, nur in den Wellen vor der ‘Dödsvalsen’ vergesse ich vor Aufregung zu paddeln und schaffe es wieder nicht hindurchzukommen.

Die Walze spuckt mich sofort wieder aus und der erste Rollversuch bringt mich ans Tageslicht zurück. Den anderen gelingt das schon viel besser, nur Reinald muss irgendwann auch mal schwimmen gehen. Auch Hanno besteht seine Premiere ohne Schwimmer.

Am späteren Vormittag kam dann Lars Larsson Chefredakteur des schwedischen Kanumagazin ‘Paddling’ mit einem Fotografen vorbei. Also nochmal alle Mann hoch um noch etwas für die Show zu machen. Aus dem erhofften großen Artikel ist bisher aber leider nur eine kleine Notiz geworden. Für Reinald und mich war das dann dicke genug und wir verzichten auf die Flusstour. Der Rest der Truppe hat sich dann noch zum Voxnan aufgemacht.

Danke an Alle für die Organisation und nette Gesellschaft. Geplant ist die nächste Armada für das nächste Jahr. Wahrscheinlich findet sie dann in Norwegen statt, zeitlich nah am Sjoa Festival.

Matthias

Keine Kommentare möglich

Panorama Theme by Themocracy