Granitwunderland

Von fez, 6. Mai 2011 22:28

Was suchen wir auf dem Wasser ?


Ostern war ich mit einer Gruppe geführt von Joe und Karoline von Linx erstmals auf Korsika zum paddeln.

Meine Erwartungen bezüglich der Naturschönheiten Korsikas wurden nicht enttäuscht – Korsika ist echt eine Wucht ! Schon zu Kletterzeiten ein Fan von Granitgestein war ich sehr begeistert von den wilden Schluchten mit Tafoni Felsverwitterungen und Bächen mit Grundgestein wie am Asco.

Am Grund die Steine,
Sie scheinen sich zu rühren
Im klaren Wasser.
Sôseki

Korsikamusik: fezliste (Rechtsklick & in neuem Tab öffnen)

Wo ?

Unser Basislager war auf einem wunderbaren kleine Zeltplatz direkt neben dem Asco im Norden Korsikas ca. 10 Min weg von Ponte Leccia. Er liegt teils unter wunderschönen Eichen. Ca. 2 km oberhalb unserer Zeltplatzes begann die Schlucht des Asco.
Ein sehr ruhiger und relaxter kleiner Zeltplatz. Ich habe schon lange habe ich nicht mehr so gut geschlafen wie hier.

Überhaupt waren die Tage dermaßen relaxt. Fantastisch vollkommen weg zu sein.

Wer ?

Die Gruppe bestand aus lauter netten Leuten, alles Charaktere wie Sabine (eine Tierärztin mit wunderbar trockenem Humor), ihr Partner HC ( auf dem Bach und auch sonst mit unerschütterlicher Gemütsruhe unterwegs), Ralph (ein relaxter OC-Paddler aus Köln, unterwegs im TESTBOOT von RaffTaff), Wolf (der nebenbei den Paddelladen BadKa führt) & sein Freund Gerrit (Juraprofessor ) welche sich dauernd gegenseitig auf den Arm nehmen sowie Volker ( nicht mehr der allerjüngste aber mit Schalk im Nacken) und Markus (Bergführer, Kletterlehrer, Erfinder usw., sein Markenzeichen ist ein begeistertes Lachen beim Paddeln, man sieht im seinen SPASS an!) . War eine lustige und nette Truppe!

Linx

Die Reise wurde organisiert von Joe und Karoline vonn Linx. Bezüglich des Konzeptes von Linx war ich anfangs etwas skeptisch ob deren Lehrmethode meinem Geschmack entsprechen würde. Meine Befürchtungen haben sich nicht bestätigt, im Gegenteil. Das “Linxeln” selbst stellt sich dar als eine Art sprachunterstützer Meditation/Entspannung für Körper und Geist welche nach dem Frühstück in gepflegt ruhiger Atmosphäre gemeinsam durchgeführt wird. Ich denke jeder der einen Draht zu Entspannung – und  Konzentrationstechniken wie Yoga, TaiChi oder autogenem Training hat kann daraus etwas ziehen.  Ich fand es klasse mich morgens in meinen schon nach dem ersten Paddeltag muskelschmerzenden untrainierten Körper zu versenken und Energie zu tanken.

Auf dem Bach dann arbeiten Karoline und Joe nicht mit klassischen “Unterricht” à la: halt das Paddel so und so, mach mit dem Oberkörper dieses und jenes sondern versuchen Fähigkeiten eher als Möglichkeiten zu zeigen nach dem Motto: versuch mal dieses oder jenes und schau wie sich das anfühlt. Hat mir gefallen.

Wer allerdings die angesprochene Ader nicht hat und “nur” nach dem paddeln schaut der wird sich mit Linx wahrscheinlich nicht anfreunden können.

Wasser:

Leider hatten wir bis auf den ersten und vierten Paddeltag etwas zu niedrige Wasserstände. Obwohl auf den hohen Bergen noch augenscheinlich eine Menge Schnee lag war nur nach den starken Regenfällen der ersten Nacht genügend Wasser im Bach.

1. Tag: Asco

Der Asco fliesst als wunderbar klarer Bach mit viel Grundgestein durch ein wilde  Schlucht aus wasserzerfressenem roten Granit.

Pegel unterhalb der Brücke: 80 cm (Minimalpegel ist 70 cm).

Wir starten unterhalb eines Felsengartens welcher schweres Wildwasser bietet. Der Bach hat ein unwahrscheinlich tolles Ambiente.
Klares technisches Wasser Wildwasser ohne nennenswert Wasserdruck.

Nach einigen offenen Metern verengt sich das Tal, wir paddeln bei bestem Wetter in einem Wunderland aus Granit, der Bach wird überragt von zerfressenen Schluchtwänden. Volker der etwas Muffensausen hat ob er mit dem Asco zurechtkommt schägt sich wacker durch. Hoffentlich sieht der ACA diesen Cross-Vorwärts nicht! Was haben wir gelacht!

Leider ist meine bisher nur im Fittingkeller und auf dem Baggersee getestete Pelibox-Verstauung im Taureau ziemlich unpraktisch so dass ich nur nach aufwändigem Geöttel an die Kamera rankomme was meinen Fotofluss doch ziemlich bremst. Nach der Schlucht wird der Bach wieder weiter, ich paddle wie auf Wolke 7.

Nach einiger Zeit kommen wir an die Güllespritze, kein sehr prosaischer Name, zugegeben – aber sehr treffend! Direkt unter Joe`s Hintern verbirgt sich nämlich ein Fels welcher das Wasser wie die Güllepritze am Güllehänger auffächert und verteilt. Links ist ein recht sticky Walze. Joe legt eine hübsche Linie vor. Marcus, der Mann mit dem Goldhelm, ist die Springersicherung denn wenn man sich links herum “verbooft” bleibt man leicht im Loch hängen.

Joe droppt über die Güllespritze

Als ich die Stelle paddle steure ich viel zu kraftlos die Platte links oberhalb der Güllespritze an und trudle dementsprechend mehr über die Spritze runter denn dass ich wie geplant nach links boofe und gehe rein. Kopfüber bollere ich mich dann der Linie Joes hinterher und rolle unten angekommen hoch. Ging ja nochmal gut, aber das nächste Mal muß da mehr Bumms dahinter! Ralph, Markus, Sabine und Karoline (Gerrit und Wolf sind noch nicht dabei heute) kommen alle mehr oder weniger gut – aber aufrecht- durch.

An der Brücke mit dem Pegel angekommen gibt es zwei Möglichkeiten, entweder ein heute bolleriges, sehr eng verblocktes Stück zu umtragen oder zu paddeln. Ich paddle mit Joe, aber so richtig Genuß will nicht aufkommen. Mit mehr Wasser wird dieser Abschnitt sicherlich sportlich. Nach diesem bei niedrigem Wasserstand recht unhübschen Stück kommt aber wieder ein sagenhaftes Stück Bach das mit einem hübschen Boof endet:

Ralph

Sabine droppt

Links neben dem Stüfchen liegt diese Felsenmühle

2. Tag: Unterer Vecchio

Pegel beim Einstieg unter Brücke 135 cm, noch akzeptabler Wasserstand.

Der Vecchio hat einen komplett anderen Bachcharakter, es gibt kaum noch Grundgestein, dafür kommt der Wald nah an den Bach heran. Man hat das Gefühl im Urwald zu paddeln. Die Vögel singen, dicke Baumwurzeln über klasklarem grünem Wasser.

Der Bach hat einen teils sehr technischen Charakter geprägt durch mit dicken runden Steinen verblockte Katarakte. Da ich einen Wassereinbruch in meiner Pelibox habe habe ich vom heutigen Tag leider keine (brauchbaren) Bilder. Die Pelibox schloß nicht richtig da sich ein Kunststoffspan (wohl noch vom Fräsen der Dichtungsringnut) vor die Dichtung gelegt hatte.

Wir haben viel Spass und Sabine bekommt raus dass ich mit meiner Lenzpumpe Gülle verklappe.

3.Tag: Tavignano, Schluchtabschnitt

Pegel beim Ausstieg unter der hohen Straßenbrücke. 155, scheinbar ein sehr guter Wasserstand

Der Tavignano bietet wiederum einen komplett anderen Bachcharakter – fast schon Wuchtwasser. Ich hatte nach der Beschreibung im Kanumagazin einen recht lahmen Bach erwarten und war super positiv überrascht.

Die Strecke startet bei einem Zeltplatz und zuerst muß ein Stausee überquert werden. Dann lassen wir die Boote an der Staumauer eine Fischtreppe runter und los gehts. Der Bach startet gleich mit im Vergleich zu den Vortagen richtig viel Wasser. Hey, das macht Spass! Ab- und zu gibts mal eine Surfwelle. Fotos gibts heute auch keine , ich hatte keine Lust den schweren Koffer zu schleppen bei der relativ langen Tragerei zum Einstieg und Ausstieg. Es kommen immer wieder spannende Stellen. Oft schauen wir uns die Stellen gemeinsam an, überlegen uns mögliche Linien, es kommt richtig Freude auf. Nur meine Klamottenwahl war falsch – ich hatte mich durch die Sonne dazu verleiten lassen nicht im Trockenanzug zu paddeln habe aber vollkommen ignoriert dass in einer Schluchtstrecke möglichwerweise nicht allzu viel Sonne zu sehen ist wenn der Bach nicht  auf einer Nord-Süd Achse liegt. Ich bin halt einfach ein verfrorenes Weichei. Ich sollte mir wirklich ein Beispiel an Volker nehmen der sogar in kurzen Hosen paddelte und nocht Schwimmeinlagen hinlegte! Und die Schlucht bietet einige wirklich anspruchsvolle Abschnitte bei welchen Schwimmen nicht so ohne ist! Ein schönen kurzen Film über diesen wirklich schönen Bach gibts hier.

Die beiden “Detonatoren” Ralph und Marcus auf dem Tavigniano, ein Bild von Joe:

4.Tag: Asco

Peger: etwas über 70, das ist echt Minimalwasser.

Gestern abend stießen noch Wolf undf Gerrit zu uns, gemeinsam gehen wir heute auf den Asco. Volker ist heute im Taureau deutlich geschmeidiger unterwegs als vor drei Tagen im Zephyr. Vom Paddelpaar Sabine und HC ist heute HC an der Reihe – die beiden wechseln sich ab im Paddeln und Hund betreuen.

HC, Ralph und Volker genießen das Leben

Joe vor dem Türkisgumpenstüfchen

Lord Helmchen im Türkisgumpenstüfchen

viel Fels, wenig Gerrit

Und wieder die Güllespritze, heute mit weniger Wasser.Gerrit, Ralph, Wolf und Joe begutachten die Stelle. Heute spielt Joe die Springersicherung und kann auch gleich Wolf aus der Walze ziehen.

Ich schaue mir die Linie genau an, nehme mir vor möglichst kraftvoll auf die Platte aufzufahren um optimal  boofen zu können und diesmal klappt es 1 A:

Ich habe sehr viel gelernt in dieser Woche – einfach nur vom zuschauen.

So sieht die Güllespritze von unten aus.

5. Tag : Unterer Vecchio

Pegelstand unter Brücke: ca. 130. Grenzwertig wenig.

Wir fahren zuerst zum Golo weil wir hoffen dort noch ein wenig Wasser vorzufinden – dem ist aber nicht so. Die Fahrt war trotzdem keine verlorene Liebesmühe da die Goloschlucht nochmal eine Ecke wilder und gewaltiger ist als die Ascoschlucht. Die Goloschluchtstrecke unterhalb des Stausees wird nie befahren da sie nie Wasser hat. Hätte sie aber mal Wasser – dann  bin ich mir sicher das sie unglaublich schwer mit haufenweise unfahrbaren Stellen wäre. Es ist der Hammer welch großen Blöcke hier im Bachbett liegen.

Der fahrbare Golo liegt in einem Art Hochtal das landschaftlich wunderschön ist, hier muß ich unbedingt noch mal her. Am Vecchio paddeln wir auf Niedrigwasser die bekannte Strecke . Ich komme heute aber überhaupt nicht in Schwung und paddle wie wenn ich den Startknopf nicht finden könnte. Ich schwimme 3(!) mal nur weil ich so vetrielt bin. Anscheinend fordert es seinen Tribut keinen Ruhetag eingelegt zu haben.

Fazit:

Beeindruckend schöne Bäche, tolle Bergwelt, erholsamer kann ein Urlaub nicht sein.
Ich war fünf Tage lang nur im Hier und Jetzt.

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