Breitach und Loisach am 1. und 2. Mai 08

Von fez, 4. Mai 2008 16:49

Noch zwei Tage vor unserem Kurztrip ins Allgäu und ins Werdenfelsener Land standen die Pegel arg hoch. Hochwasser auf Breitach und Loisach. Aber dann am 1. und 2. Mai konnten wir mit Mittelwasser auf beiden Bächen einen perfekten Wasserstand geniessen.

Mittwoch Nacht fuhren wir, Bernhard, Marcus und ich ins Allgäu nach Immenstadt. Dort morgens um 2 Uhr angekommen war es kalt, windig, und nieselte leicht. Zum Glück fanden wir ruckzuck ein gepflegtes Assocamp unter einer mit Plane abgedeckten Riesenjacht am Rande eines Parkplatzes des Walchensees. Den Scheißhaufen entdeckten wir erst am nächsten Tag…

1.Mai: Obere Breitach, Hirscheck bis Riezlern

Wir fahren hoch ins Kleinwalsertal und beäugten erstmal die Ausstiegsstelle vor der unfahrbaren Breitachklamm. Die Breitachklamm ist sehr sehr beeindruckend. Man schaut hinein, gruselt sich und stellt sich vor wie man sich wohl fühlen muss wenn man in dieses kehrwasserlose Gegurgel gezogen wird. Horror.

Dann fahren wir hoch nach Hirscheck, nicht ohne unterwegs noch von der hohen Brücke bei Riezlern einen Blick auf die Schwendeschlucht der Breitach zu werfen. Mmmh, sieht ganz schön schwer aus… Marcus ist die ganze Zeit auffallend ruhig.

Wir paddeln bei Hirscheck los, hier ist noch recht wenig Wasser im Bach. Nach kurzer Fahrt kommen wir an eine enge S-Kurve deren Prallwand verholzt ist. Ich unterschätze die Kraft der Strömung und erwische den letzten in den Bach hineinragenden Ast der Verholzung. Es dreht mich drunter und dann – unglaublich- wie von Geisterhand wieder hoch, ich habe praktisch nur wenig zum aufrollen dazugetan. Ziemlich erschrocken eiere ich ins nächste Kehrwasser in welchem mich Marcus und Bernhard ebenso erschrocken anschauen. Na das ist ja mal ein super Anfang.

Wir passieren das Klärwerk, es wird schwerer. Hier beginnt der lange Bauhauskatarakt.

Na einiger Zeit kommen wir an einen Abschnitt den wir das “S” nennen. Diese S-Kurve ist relativ wuchtig aber nicht verholzt oder unterspült, und falls etwas schief ginge gut abzusichern. Danach kommt ein ruhiges Stück.

Zuerst fährt Bernhard, bei ihm sieht es prima aus.

Dann Marcus – sehr sicher.

Dann bin ich dran. Um das eigentliche S herum läufts prima, doch dann am Ausgang als eigentlich alles schon vorbei ist trudle ich vollkommen bescheuert langsam in die letzte Walze, setze noch – super Idee ! – einen Konterschlag und gehe natürlich rein.

Dann versaue ich zweimal die Rolle und schwimme. Bernhard zieht mich aber im ruhigeren Stück schnell raus.

Nach gewisser Zeit kommen wir dann an eine Stelle bei der mir schnell klar ist dass ich sie umtragen werde. Sie erfordert eine präzise Linie zwischen beidseitiger Verholzung und Ästen durch eine Reihe von Stufen mit recht starken Walzen. Bernhard fährt und kommt sauber durch und muß nur bei der letzten Walze rollen da er Wasser aufs Heck bekommt.

Da wir viel sichern kommen wir nicht sehr schnell vorwärts deshalb paddeln wir nur den oberen Teil der Breitach bis zur Straßenbrücke Riezlern-Schwende. Uns reichts auch so bis hierher. Der lange Bauhauskatarakt hat uns alle sehr gefordert, die im unteren Teil folgende auch schwere Schwendeschlucht heben wir uns für das nächste Mal auf.

Das Wetter das tagsüber eher geschwächelt hat wird nun besser und auf einem von der Abendsonne beschienenen Parkplatz führen wir Raphaels Klapptisch erstmal seiner ordnungsgemäßen Bestimmung zu und köcheln ein vor Knoblauch überbordendes Zucchini-Reis-Gericht.

Danach geben wir uns vertrauensvoll in die Hände von Lisa, der weiblichen Stimme meines Navigationssystems, welche uns über kleine und kleinste Straßen nach Garmisch führt. Dort geschwind das Zelt aufgebaut, noch ein Bierchen getrunken und ab in den Schlafsack.

2. Mai: Loisach, Griesenschlucht

Die Griesenschlucht hat diesmal mit Mittelwasser einen ganz anderen Charakter als bei unserer ersten Fahrt 2007 bei wenig mehr als Mindestwasser. Die Loisach bekommt richtig Druck so dass wir manche Stellen garnicht wiedererkennen. Es ist zwar einiges, aber nicht übertrieben viel los auf der Loisach. Gestern am 1.Mai war das bestimmt anders. Das Wetter ist wunderschön.

Bald nach Fahrtbeginn liegen mehrere Bäume quer, manche kann man umfahren, ich umtrage aber zwei Stück und gehe kein Risiko ein. Wir fahren Kehrwasser was das Zeug hält, die Loisach ist einfach klasse! Bald sind wir am Dom, Marcus fährt hier absolut lehrbuchmässig mit Hilfschlinge:

Meine Linie nach dem Dom über die nachfolgende Stufe ist weniger elegant, ich rutsche halb über den Block kurz vor der Stufe und eiere dann die Stufe ganz rechts knapp am Stein entlang runter.

Als wir an der Stufe vor dem Treppenhaus ankommen sind wir echt beeindruckt. Bernhard fährt als erster, bei ihm sieht es elegant und locker aus wie immer.

Dann ist Marcus dran, seine Anfahrt sieht garnicht so schlecht aus:

Doch dann kantet er falsch und wird von der Walze nach rechts gedrückt – und das geht schief. Er schwimmt, ist aber gleich wieder draussen da er sich von der Strömung noch aus der Walze rausziehen lässt.

Ich plane eigentlich noch ein Stückchen weiter links als Bernhard und Marcus an zu fahren, die Bootsspitze aber leicht links gestellt zu haben um dann den linken Rand der Walze abzureiten und mich rechts schön mit Druck auf dem Paddel in der grünen Stromzunge durchzuziehen.

Die schönste Planung ist aber sinnlos wenn man die Realität beiseite lässt und wie ich übersieht dass die Strömung von dem angespülten Block auf der linken Seite ziemlich stark nach innen drückt…

Ich fahre leicht links der Mitte an, aber kaum bin ich vorne bei der Engstelle packt mich die Strömung mit Macht und schiebt mich voll nach rechts. Mit wahrscheinlich weit aufgerissenen Augen sause ich rechts der Stromzunge voll ins Gebrodel. Da ich aber immerhin Geschwindigkeit habe und auch gut stütze passiert nichts weiter, das Gebrodel bremst den Finki nicht aus. Puh.

In meiner Erinnerung kam diese Stufe nach dem schwersten Abschnitt der Loisach, dem Treppenhaus. Das Treppenhaus, ein stark verwalzter Katarakt, ist jetzt bei Mittelwasser eben abgesoffen so denke ich mir und deshalb wahrscheinlich nicht weiter aufgefallen. So ein Schwachsinn! Als wir weiterpaddeln bin ich vorneweg weil ich denke dass es ja jetzt leichter würde. Ich fahre als erster in den folgenden Katarakt ein der anfangs auch garnicht so schwer ausschaut dann aber bald heftiger wird. Au weia, es scheint mir DAS hier ist das Treppenhaus…. Ich stütze was das Zeug hält, gebe zwischendurch wieder Gas um nirgends hängen zu bleiben und versuche mich eben so gut wie möglich durch zu lavieren. Dann aber, nach ca. 2/3 des Katarakts fahre ich sehr langsam und noch mit stützen beschäftigt in ein ziemlich großes Loch rein… Und herum gehts. Ich bleibe über das Vorderdeck gebeugt, werde über die nächste Stufe gespült und bekomme einen wirklich heftigen Schlag auf den Helm. Gott sei Dank habe ich mir den Creekhelm zugelegt!. Dann versuche ich obwohl es immernoch ziemlich wild zu geht zweimal erfolglos hochzurollen, aufgrund aufkommender Angst aber mit ziemlich schlechter und naturgemäß auch nicht erfolgreicher Rolltechnik (Ich will jetzt hoch! SOFORT!) Dann steige ich aus und schwimme. Das Boot und mich selbst bringe ich schnell ans Ufer. Das Paddel ist auch schnell gefunden. Tja, hätte ich mir wohl besser angeschaut die Stelle, dann hätte ich gesehen dass ich mich rechts hätte halten müssen…

Die letzten Meter bis zur Ausstieg sind nochmal sehr hübsch, in den kleineren verblockten Katarakten lassen wir uns wieder viel Zeit zum Kehrwasser fahren.

Wir beschliessen den Spätnachmittag beim Italiener und resümieren die vergangenen zwei Tage. Loisach und Beitach sind wirklich klasse – aber von gänzlich unterschiedlichem Charakter.

Die Loisach weist oft von Blöcken eingefasste grüne Stromzungen mit gut Druck auf und behält durch die Bäume und viel Grünzeug am Ufer einen freundlichen Charakter.
Die Breitach dagegen läuft in einer Schlucht, die Katarakte sind mehr verwalzt. Das Problem sind viele Baum- und Treibholzverhaue in angespülten Kurven. Insgesamt ist die Situation dort also mental und fahrtechnisch erheblich anspruchsvoller.

2 Antworten für “Breitach und Loisach am 1. und 2. Mai 08”

  1. martl62 sagt:

    Wie immer ein schöner, lebhafter und aufschlußreicher Bericht von Frank.

  2. Wooly sagt:

    Und es waren nur 4 Knoplauchzehen im Essen, aber halt vom Türken …. ;-) )

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